10. Februar 2021
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Alex Baur

In der Süddeutschen Zeitung fordert ein preisgekrönter Autor, man müsse «mehr Diktatur wagen». Müssen wir das ernst nehmen? Leider ja

«Mehr Diktatur wagen» schreit uns ein Essay von Thomas Brussig in der Süddeutschen Zeitung vom 9. Februar 2020 entgegen. Der «peinliche» Donald Trump, der «dumme» Brexit und schliesslich das Killervirus Covid-19 hätten uns die «Impotenz» der Demokratie drastisch vor Augen geführt.

In der blühenden Volksrepublik China wäre all das nicht passiert. Der Ein-Parteien-Staat habe seine Überlegenheit längst erwiesen, zum Wohle seiner Bürger.

Fazit: «Wenn Corona-Leugner eine ‘Corona-Diktatur’ heraufziehen sehen, sollte dies erst recht ein Grund sein, sie zu wollen.» Grundrechte werden überschätzt.

Nichts deutet notabene auf eine Satire hin.

Bloss ein provokatives Gedankenspiel? Der 1964 in der DDR geborene Thomas Brussig (Grundwehrdienst bei der Volkspolizei) ist nicht irgendwer, sondern ein preisgekrönter Erfolgsautor und Drehbuchschreiber (ARD). Und die Süddeutsche ist auch nicht irgendein Blatt.

Vor einem Jahr wäre ein derartiger Tabubruch in Deutschland – gerade in Deutschland! – noch völlig undenkbar gewesen. Corona hat uns jedoch gelehrt, dass nichts undenkbar ist. Und dass es, wenn man dachte, es reiche jetzt, immer noch schlimmer kommen kann.

Leider müssen wir die alte deutsche Sehnsucht nach dem Führer ernst nehmen.

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10 Kommentare zu “In der Süddeutschen Zeitung fordert ein preisgekrönter Autor, man müsse «mehr Diktatur wagen». Müssen wir das ernst nehmen? Leider ja”

  • Franki sagt:

    Sehr interessante Kommentare; Aus deutscher Sicht.
    Das Beobachtete ist vollkommen richtig, nur das Fazit ist völlig falsch.
    Die „Deutschen“ befinden sich in der Hand der linksgesteuerten Medien und Politiker. Was hier in den Kommentaren geschrieben steht, kann in Deutschland leider nur gedacht werden. Trotz gesetzlich verankerter Meinungsvielfalt findet man in den Medien nichts von alldem. Selbst in Foren oder auf YouTube wird fleißig gelöscht.

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  • Andi Kuebler sagt:

    Das ausgerechnet ein Journalist aus Deutschland, wo man in den letzten 100 Jahren genug Erfahrung mit Diktaturen gemacht hat (NSDAP,SED), so etwas schreiben kann, erstaunt mich allerdings sehr.

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  • Detlef Dechant sagt:

    Zwei Fehler gilt es zu korrigieren: 1. Deutschland wurde nicht "wiedervereinigt", sondern zwei deutsche Staaten haben sich vereinigt. Genscher hat übrigens niemals den Begriff "Wiedervereinigung" verwendet. 2. Westdeutschland hat nicht die DDR übernommen, sondern die gewählte Volkskammer der DDR hat beschlossen, der BRD beizutreten.

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  • Peter Rossa sagt:

    Wie es ja schon Roger Köppel treffend aufgezeigt hat: Für die Linke ist Corona das "Trainingslager" für die sogenannte Klimakrise. Der Altmarxist an der SP-Spitze köchelt bereits heute an seinem Süppchen-
    Demokraten seid auf der Hut und zeigt Mut !

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  • Realistin sagt:

    "Leider müssen wir die alte deutsche Sehnsucht nach dem Führer ernst nehmen."
    Gut, dass es noch jemand sieht.
    Es ist offensichtlich, dass die Deutschen mit der EU ihr neues Grossreich errichten.
    Die Deutschen in ihrem Überlegenheitswahn werden sich nie ändern.
    Die Schweizer leider schon. Die Deutschen haben hier längst übernommen und prägen als Lehrer, Professoren und Journalisten die Mentalität unserer Jugend.

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  • werfur sagt:

    Die «Süddeutsche», ein Blatt ohne seriöse Diskussions-Kultur, ist das Flaggschiff der deutschen Desinformations-Industrie (so genannte «Medien») Die Nachfahren Honeckers wagen sich wieder aus ihren Löchern!

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  • Dani sagt:

    COVID 19 ist kein Virus sondern die Erkrankung, die durch SARS CoV-2 ausgelöst wird... 😉

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  • juege sagt:

    Wird die Süddeutsche nicht Alpen Prawda genannt. Wir müssen endlich lernen, dass Deutschland nicht wiedervereinigt wurde, sondern, dass Westdeutschland von der DDR übernommen wurde.
    Mit diesem Wissen sieht eben unser Nachbar leider ganz anders aus.

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