15. Februar 2021
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Matthias Rüb

Italiens Regionalpräsidenten wollen auf eigene Faust Covid-Impfstoffe kaufen. Brüssel zeigt ihnen die rote Karte

Luca Zaia, Regionalpräsident von Venetien, hat den Anfang gemacht. Inzwischen tun es ihm seine Amtskollegen aus einem halben Dutzend weiterer Regionen gleich: Auch sie wollen zusätzliche Impfdosen zur Immunisierung ihrer jeweiligen Bevölkerung gegen das Coronavirus beschaffen.

Die von der EU gemäss einem festen Verteilschlüssel zugesagten Lieferungen für Italien lassen erstens auf sich warten und wären zweitens ohnedies nicht ausreichend. In Venedig will man über Pharma-Händler in der Schweiz zunächst vier Millionen Dosen des russischen Vakzins Sputnik V beschaffen; auch zum chinesischen Unternehmen Sinovac hat man Kontakt aufgenommen.

Doch Brüssel zeigt die rote Karte: Bestellungen auf eigene Faust seien verboten, die Zentralregierung in Rom müsse die Regionen stoppen. Bei der italienischen Pharmabehörde Aifa hat man den Antrag aus Venedig zur Einfuhr der Impfdosen erst einmal verschlampt.

Regionalpräsident Zaia schäumt: «Es ist eine Schande! Nur in einer Bananenrepublik werden Leute zurückgepfiffen, die ihren Job erledigen.»

Wenn es wahr sei, dass Impfen Leben rettet, dann müsse er doch alles dafür tun, um möglichst viele Leute in Venetien möglichst schnell impfen zu lassen.

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3 Kommentare zu “Italiens Regionalpräsidenten wollen auf eigene Faust Covid-Impfstoffe kaufen. Brüssel zeigt ihnen die rote Karte”

  • Edmo sagt:

    Der zentralistische Machtapparat in Brüssel reagiert auf Abweichler zunehmend heftig. Nach dem Brexit, nach Viktor Orbans Ungehorsam und angesichts einer Schweiz, die endlich den Rahmenvertrag in Frage stellt, will man sich nicht auch noch von Italien vorführen lassen. Da bleibt halt nur noch die Machtdemonstration. Die Sache selbst ist belanglos, solange es um Machtansprüche geht. Amüsant an der Geschichte ist bloss, wie die eine Bananenrepublik die andere als Bananenrepublik beschimpft.

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  • prie sagt:

    ein weiterer Grund NIE in die EU einzutreten.

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  • Don Quixote sagt:

    Gemäss dem Subsidiaritätsprinzip in Artikel 5 (Artikel 3 b) Abs. 2 EGV hat die EU wohl angenommen, dass sie allein in der Lage sei, die Beschaffung und Logistik der COVID-19-Impfstoffe europaweit zu organisieren. Sie hat aber ihre derzeit wichtigste Aufgabe gründlich vermasselt, zu kleinkrämerisch, zu spät und fernab von professioneller Beschaffungslogistik. Es ist wirklich eine Schande, dass die EU den initiativen Regionalpräsidenten Italiens die rote Karte zeigt!

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