08. Januar 2021
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Beat Gygi

Informatik aus der Steinzeit – wie das Bundesamt für Gesundheit die Orientierung in einer Notlage behindert

Der Digital-Chef des Bundesamts für Gesundheit (BAG), Sang-Il Kim, sagte am Dienstag in der NZZ, die Informatik-Lösung für die Corona-Impfkampagne komme etwas verzögert, weil man sie zuerst austesten und kein unnötiges Risiko eingehen wollte. Das ist eine gewaltige Beschönigung der Verhältnisse. Die Verzögerung in Sachen IT beträgt nicht Wochen, sondern ein Jahrzehnt.

2012 hatte das BAG eine Studie für ein elektronisches Impfdossier Schweiz auf dem Tisch, das vieles vorschlug, was jetzt für eine effiziente Impfaktion dringend nötig wäre; von der Anmeldung bis zu Überwachung und Auswertung. Man brach das Vorhaben aber ab, weil es technisch nicht zum elektronischen Patientendossier (EPD) passte, das damals im Aufbau war.

Das ist nicht erstaunlich, denn das EPD kommt aus der Steinzeit. Das ist kein Werkzeug, das den elektronischen Informationsaustausch unter Spitälern, Ärzte, Patienten und Kassen schneller, reichhaltiger oder zuverlässiger macht, nicht Digitalisierung. Nein, das EPD ist die nächste Stufe nach dem Fax, eine Sammlung von PDF-Dateien, brauchbar etwa als Fotoalbum.

Unverdrossen treibt man die Fehlinvestitionen voran. Das EPD läuft noch nirgends, vor allem auch nicht in der staatlich gepushten Axsana mit dem früheren Zürcher Regierungsrat Thomas Heiniger als Verwaltungsratspräsident. Dass die rasch wachsende Abteilung für digitale Transformation im BAG auf diese Weise Geld verschwendet, ist das eine, viel gravierender ist aber, dass man es in der Notlage versäumt, möglichst viele Erkenntnisse über die Pandemie zu gewinnen.

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