02. März 2021
Rolf Hürzeler

Internationale Schelte für die Aargauer

Diplomaten lieben den internen Hickhack. Sobald aber ein angeblicher Angriff von aussen kommt formieren sie sich zur Schlachtordnung, wie das Ärzte, Schriftsteller oder Juristen tun. Dabei ist der Anlass im Fall der Diplomaten banal.

Ein Journalist – oder eine Journalistin? – titelte «Diese Grossmutter wird neue Chefin der Welthandelsorganisation» in der Aargauer Zeitung. Gemeint war damit die Nigerianerin Ngozi Okonjo-Iweala, Harvard-Absolventin und ehemalige Finanz- und Wirtschafts- und Aussenministerin ihres Landes.

Die Überschrift war natürlich ein Ausrutscher, der passieren kann.

Doch 124 internationale Diplomaten unter Führung der österreichischen Uno-Botschafterin Elisabeth Tichy-Fisslberger sehen das anders und beschweren sich brieflich wegen der «Grossmutter». Wo kämen wir hin, wenn Diplomatinnen auf Familienrollen reduziert werden, wo sie sich doch in nächtelangen Sitzungen für das Wohl der Menschheit im Allgemeinen und ihres Landes im Speziellen einsetzen?

So formierte die Österreicherin ihre Berufsleute zur Schlachtordnung, und die Aargauer Zeitung erhielt internationale Aufmerksamkeit.

236 10

9 Kommentare zu “Internationale Schelte für die Aargauer”

  • mh sagt:

    Ich fand Grossmutter immer ein sehr schönes Wort. Es bedeutet doch eigentlich "Grosse Mutter", darunter stelle ich mir eine kraftvolle, lebenserfahrene Frau vor die ihren Kindern und Enkelkindern mit Rat und Tat zur Seite steht.

    21
    0
  • chrigel sagt:

    Das nächste Mal einfach Greisin schreiben. Alte Weisse Männer werden ja schon diskriminiert, warum nicht auch alte schwarze Frauen?

    21
    2
  • Florence sagt:

    Mit allen Problemen dieser schweren Zeit(Bundesräte die statt zu beraten ihre Bürger VER-raten, Unternehmer aller Art die reihenweise pleite gehen, eingesperrte alte Leute die ihre Lieben nicht sehen dürfen etc etc) hat eine armselige Person die Zeit und Muße-offensichtlich hat sie nicht viel zu tun und vor allem kein eigenes Leben- sich über einen Titel aufzuregen und andere Gleichgesinnte zu finden die sich zusammen aufregen und -vor allem- RÜGEN dürfen. Jetzt fühlen sie sich sicher besser!

    40
    0
  • juege sagt:

    Schon klar, denn heute ist ja die Oma eine alte Umweltsau. Tja, wenn die PC einen selber trifft!

    39
    0
  • j.thurnheer@hispeed.ch sagt:

    es ist einfach der Wahnsinn, wie von gewissen selbstgefälligen und absolutistisch denkenden und in wohlfühl- und wohlhabenden Arbeitsverhältnissen arbeitenden Menschen alles Sprachliche zerpflückt und zum empörigs Gott erhoben wird

    54
    0
  • Edmo sagt:

    Corona wird uns mit der dritten Welle dahinraffen. Das Klima lässt dann noch den Planeten verglühen. Bei so elementaren Nöten haben wir ein Anrecht auf Empörung. Die Aargauer Zeitung hat Grossmutter gesagt. Grossmutter, das lasse ich mir auf der Zunge zergehen und spüre, wie die Empörung heiss in mir aufsteigt. Das tut richtig gut. Noch einmal Grossmutter laut denken und schon bin ich bereit, Teil der Inquisition zu werden. Ich, eine wertvolle Stütze der Moral, ist das nicht erhebend?

    78
    1
  • Rolf Bolliger sagt:

    Als heutiger Grossvater erinnere ich mich immer noch gerne an meine zwei lieben Grossmütter! Hatte ich damals ein Problem oder wollte ich ein liebes Wort hören, waren die beiden Grossmütter stets meine *Rettungsringe* oder Ansprechpersonen! Sie hatten Verständnis und strahlten eine grosse Erfahrung aus! Wenn ein Journalist heute das Wort "Grossmutter" vor einen politischen Namen setzt, wird er sofort heftig kritisiert und bestraft! "Gender" oder "Lesbe" wären bestimmt toleriert worden........?!

    90
    0
  • VP-Falger sagt:

    Wird "Grossmutter" jetzt auch noch zum Unwort Stilisiert? Sind es doch gerade Grossmütter, welche im stressfreien Abstand geradezu Gralshüter des familiären Friedens zud Zusammenlebens sind. Internationale Diplomaten in ihrer Wohlfühlwolke der Unatastbarkeit veunglimpfen damit nicht nur das Wort "Grossmutter" sondern auch ihren unschätzbaren Stellenwert als Anker im Sturm des demokratischen Zusammenlebens unterschiedlicher Meinungen und Ansichten.

    144
    1
  • lauber sagt:

    Grossmutter isch doch kein Scheltwort. Grossmutter ist ein Ehrentitel. So hats meine Grossmutter verstanden - trotz „mir“!

    139
    0

Schreiben Sie einen Kommentar

© Copyright 2021 - Weltwoche daily

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche-daily.ch dienen als Diskussionsplattform und sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird. Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels oder wo angebracht an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Persönlichkeitsverletzende und diskriminierende Äusserungen hingegen verstossen gegen unsere Richtlinien. Sie werden ebenso gelöscht wie Kommentare, die eine sexistische, beleidigende oder anstössige Ausdrucksweise verwenden. Beiträge kommerzieller Natur werden nicht freigegeben. Zu verzichten ist grundsätzlich auch auf Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen), wobei die Online-Redaktion mit Augenmass Ausnahmen zulassen kann.

Die Kommentarspalten sind artikelbezogen, die thematische Ausrichtung ist damit vorgegeben. Wir bitten Sie deshalb auf Beiträge zu verzichten, die nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Unzulässig sind Wortmeldungen, die

  • Nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommerzieller Natur sind
  • andere Forumsteilnehmer persönlich beleidigen
  • einzelne Personen oder Gruppen aufgrund von Rasse, Ethnie oder Religion herabsetzen
  • in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • verächtliche Abänderungen von Namen oder Umschreibungen von Personen enthalten
  • mehr als einen externen Link enthalten
  • einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Online-Redaktion behält sich jedoch vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Es besteht grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.