11. Februar 2021
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Florian Schwab

Irrenhaus New York Times: Ein vielbeachteter Journalist muss das Blatt verlassen, weil er unschuldig fragend das N-Wort in den Mund genommen hat

Sie sind an einem Abendessen. Das Tischgespräch mäandriert in Richtung Videos auf Social Media. Ihr Tischnachbar erzählt, dass ein Bekannter kürzlich ein Video angefertigt habe und darin «Nigger» sagt. «Was sagt er, ‹Nigger›?» fragen Sie zurück, weil Sie glauben sich verhört zu haben.

Jetzt haben Sie ein Problem. Zumindest nach den Massstäben der New York Times. Denn auch Sie haben jetzt das unsagbare Wort in den Mund genommen und verdienen Ächtung und Rausschmiss.

So ist es Donald G. McNeil Jr. widerfahren. Auf einem Trip mit Schülern nach Peru, den sein Arbeitgeber vor zwei Jahren ausgerichtet hat, hat er in der genannten Situation das von jemand anderem verwendete N-Wort fragend wiederholt.

Genug für die NYT, den Mann zu entlassen, der seit 1976 mit Unterbrüchen für das Blatt gearbeitete hatte, zuletzt als vielbeachteter  Journalist für Wissenschaft und Gesundheit. McNeil habe «sich einer Sprache bedient, die mit unseren Werten unvereinbar ist», so die Begründung.

Der extreme Fall zeigt: Die Cancel Culture gewinnt die Oberhand in Amerika. So sehr, dass sich sogar ihre Opfer rituell vor ihr verneigen müssen. McNeil jedenfalls entschuldigte sich vor Gott und der Welt dafür, dass er «alle enttäuscht» habe.

Willkommen im Irrenhaus.

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1 Kommentar zu “Irrenhaus New York Times: Ein vielbeachteter Journalist muss das Blatt verlassen, weil er unschuldig fragend das N-Wort in den Mund genommen hat”

  • hape sagt:

    …ist doch bei uns genau so.
    Gendersprache, Lebensmittelfälschung (Schoggikuss statt Mohrenkopf) und mehr.
    In den Mohrenkopf kann ich beissen – in einen Kuss nicht…

    Gut, haben wirs onst keine Probleme…

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