29. März 2021
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Wolfgang Koydl

Jean-Claude Junckers Hinterlassenschaft: Was die Sommerzeit-Umstellung über das Versagen der EU aussagt

Eigentlich hätten wir an diesem Sonntag nicht die Uhren umstellen müssen. Dies hatte Ex-EU-Chef Jean-Claude Juncker den Europäern versprochen – nachdem er sie grossmütig über die Zeitumstellung hatte abstimmen lassen.

Dennoch stehen wir abermals mit einer Stunde weniger Schlaf da. Denn geschehen ist nichts. Die 27 Mitgliedsstaaten können sich nicht darauf einigen, ob sie Winterzeit oder Sommerzeit haben wollten. Die meisten hatten einfach keine Zeit, sich um das lästige Thema zu kümmern.

Junckers Versprechen entpuppt sich als vergiftetes Geschenk. Unfreiwillig hat er damit den Konstruktionsfehler der EU offen gelegt: Wenn sich Portugiesen und Finnen, Zyprer und Iren nicht einmal darauf verständigen können, wie spät es ist, sollten sie gleich die Finger von wichtigen Dingen lassen.

Europa ist ein Kaleidoskop: Bunt, vielfältig, widersprüchlich. Wer ein Kaleidoskop einschmilzt, erhält einen formlosen, hässlichen Klumpen – die EU.

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17 Kommentare zu “Jean-Claude Junckers Hinterlassenschaft: Was die Sommerzeit-Umstellung über das Versagen der EU aussagt”

  • W. Attems sagt:

    Herr Koydl, was mischen Sie sich ein in die langsamen EU-Abläufe zur Sommerzeit? Darf denn die EU unsere verzögerten Corona-Tests und -Impfungen kritisieren?

    Gibt es ein bilaterales Gremium in dem die Schweiz ihre Vorstellungen und Wünsche zur Sommerzeit einbringen kann, oder werden wir die EU-Beschlüsse dazu aus der Zeitung erfahren? Die EU wird ihren Kompromiss finden und wir dann unseren Nachvollzug frei und unabhängig gestalten und Herrn Köppels Wunsch nach Neutralität wird erfüllt sein.

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  • Buecherwurm sagt:

    Die Menschheit hat sich darauf geeinigt, den Tag in 24 Stunden einzuteilen. Der Sprung folgt um Mitternacht, wenn die Sonne auf die andere Seite der Erde scheint.

    Auf dieses Zeitschema hat man den Tagesablauf asymmetrisch verteilt, Wir stehen um 06.00 Uhr am Morgen auf, gehen aber nicht um 18.00 Uhr wieder schlafen. Man könnte ja auch von 20.00 Uhr bis 04.00 Uhr schlafen.

    Nun kommt nach Jahrhunderten der Selbstbeschiss und wir führen eine Sommerzeit ein und die soll dann auch im Winter gelten.

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    • benpal sagt:

      Man könnte stattdessen auch die Winterzeit im Sommer gelten lassen.

      "Der Sprung folgt um Mitternacht, wenn die Sonne auf die andere Seite der Erde scheint."
      Wirklich? Dann müsste umgekehrt bei uns Mittag sein, wenn die Sonne auf unserer Seite steht. Soviel zur Festlegung von Normen nach Gefühl.
      Es geht nicht darum, um welche Zeit wir aufstehen, sondern darum, ob wir die Zeitrechnung halbjährlich immer wieder neu festlegen sollen.

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  • D. Keller sagt:

    Die "Abstimmung" in der EU war auf dem Niveau einer Blick Online Umfrage.
    Weder repräsentativ, noch irgendwie etwas mit Ausübung des Stimmrechts zu tun. Der eigentliche Skandal ist, dass man aus so einer online Spassbefragung dann einen politischen Entscheid und Auftrag bastelt.

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  • W. Attems sagt:

    Die drei Zeitzonen in der EU (eine 4. auf den Azoren) sind sicher kein Konstruktionsfehler und Portugal, Finnland, Zypern und Irland haben sich gut verständigt, wie spät es ist. Eine EU-Richtlinie regelt die gleichzeitige Umstellung in allen Zonen auf Sommerzeit. Diese ist sehr unterschiedlich bewertet und zu einer Richtlinienänderung fehlen Priorität, Bedeutung und Einigkeit, trotz Juncker. Eine geregelte Gestaltung ist richtig, denken Sie nur an das Chaos mit eigener Schweizer Zeit in 1980!

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  • Florence sagt:

    Das Ziel der Sommerzeit-Umstellung ist, die innere biologische Uhr zu zerstören. Leider sehen das viele anders um am Abend ein Stündli länger hell zu haben. Wofür? Wieso konnte Europa bis in die Sechziger Jahre des 20. JH bestens mit der „solaren“Uhr leben und dann musste plötzlich alles umgekrempelt werden? Stellt sich die Frage(wie immer) Wem nützt‘s?

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  • VP-Falger sagt:

    Man könnte in Greenwich auch die Weltzeit um eine halbe Stunde nach vorne rücken und damit einen salomonischen Kompromiss vorlegen.

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  • Edmo sagt:

    Ganz so schimm steht es um die Einigkeit der EU nicht. Wenn der Moloch seine Schulden masslos erhöht, sind sofort alle dabei. Wenn die Bürokratie weiter aufgebläht wird, herrscht grosse Einigkeit und dass die Briten böse Unmenschen sind, unterschreibt jeder. Ich würde der EU dringend die Sommerzeit empfehlen. Damit geht sie eine Stunde später unter als mit Winterzeit.

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  • juege sagt:

    Die Sommerzeit ist das einzig Positive an der EU.

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