07. Dezember 2020
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Beat Gygi

Journalisten benützen Corona-Todeszahlen mit wenig Verantwortungsgefühl

Die Sonntagszeitung fragt: «Können wir wirklich verantworten, was wir gerade tun?» und klagt an, dass man in der Schweiz Betagte mit völliger Gleichgültigkeit sterben lasse, während in Politik und Wirtschaft über Massnahmen für Skigebiete gestritten werde.

Für das grosse Sterben seien aber nicht nur Politiker oder Lobbyisten verantwortlich, in einem Land mit derart viel Mitbestimmung läge es auch an Privaten, Organisationen oder Vereinen, etwas dagegen zu unternehmen. Jeder müsse sich fragen, ob die jetzige Praxis wirklich zu verantworten sei. Die Blick-Redaktion schloss sich sogleich an und erklärte eine derartige Gleichgültigkeit als erschütternd.

Was tun die Journalisten da, wie verantwortungsvoll ist das? Sie lenken den Blick allein auf die Todeszahlen, mit der Annahme, Shutdown-Massnahmen würden diese senken, und werfen der heutigen Politik im Grunde vor, sie bringe kaltblütig Menschen um. Dramatische Berichte über einzelne Sterbeschicksale verstärken die Botschaft, jeder Todesfall ist einer zu viel.

Der Fokus auf Emotionen und Einzelfälle ist den Journalisten für ihre Publikumswirkung und Anprangerungen im politischen Kampf dienlich, aber damit behindern sie vernünftiges Suchen und Abwägen geeigneter Lösungen in der Corona-Politik. Nicht nur Virus-Infektionen, auch Schliessungsmassnahmen mit ihren gesundheitlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen kosten Lebensjahre. Welche wie viel? Verantwortung wahrnehmen heisst, dass man das ganze Bild anschauen muss, nicht einfach Schlagzeilen.

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