14. Dezember 2020
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Daniel Weber

Kultur-Lockdown: Licht aus, Vorhang zu

Jetzt sind wir wieder vor die Glotze verbannt. Mit seinen Verboten hat der Bundesrat am Freitag den zweiten Lockdown über das Kulturleben verhängt, vorerst bis zum 22. Januar 2021. Damit hat er das Sparflämmchen, auf dem seit Frühling noch ein bisschen öffentliche Kultur köchelte, ausgetreten. Dank aufwendigen Sicherheitsmassnahmen – Hygienekonzepte, Abstandsregeln, Maskenpflicht – kam es zwar weder in Theatern, Konzertsälen noch in Kinos zu gehäuften Ansteckungen. Aber es ist leichter und zurzeit populärer, flächendeckend zu verbieten, statt zu differenzieren.

Wenn man will, kann man Kultur so weit fassen, dass sie bloss eine von beliebigen Freizeitaktivitäten ist, dass der Besuch einer Oper sich nicht grundsätzlichem von jenem im Bordell unterscheidet, und dass darum beide verboten werden müssen. Irgendwie verbindet sie ja eine Art Ventilfunktion. Aber niemand wird bestreiten, dass unter dem Strich der Kulturbetrieb eine gesellschaftliche Bedeutung hat, die über die Triebabfuhr hinausgeht.

Von den vielen durch den Lockdown gefährdeten Existenzen abgesehen: Kultur ist systemrelevant, um das Wort des Jahres 2020 zu bemühen, weil niemand von Brot allein lebt. Und gerade in Krisen ermöglicht sie, wonach heute so viele lechzen: kleine Fluchten aus dem beschwerlichen Alltag. Löst der Bundesrat mit seinem Verbot ein Problem? Der Brecht-Satz kommt einem in den Sinn, mit dem Marcel Reich-Ranicki sein «Literarisches Quartett» zu beenden pflegte: «Und so sehen wir betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.»

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