26. Januar 2021
Florian Schwab

Liebesgrüsse aus Londonistan: Der «Economist» bezeichnet die Schweiz als Bananenrepublik. Er sollte vor der eigenen Haustüre kehren

Der Magnitski-Fall lasse die Schweiz «wie eine Bananenrepublik aussehen». Mit den unfreundlichen Worten wird im neuesten Economist Bill Browder zitiert, ein schillernder Londoner Financier und Gründer der zeitweise grössten ausländischen Investitionsfirma in Russland, Hermitage Capital Management.

Der Economist zeichnet ein desaströses Bild der Schweizer Strafjustiz: Ex-Bundesanwalt Michael Lauber habe «innige Beziehungen» zu korrupten russischen Amtskollegen unterhalten. Es wird gar insinuiert, Schweizer Staatsanwälte hätten womöglich persönlich von bei Hermitage abgezweigten Geldern profitiert.

Die Wahrheit ist trivialer: Die Schweizer Strafjustiz tat das, was sie immer tut: Sie stützte sich auf die Darlegungen ihrer ausländischen Kollegen. Und die russische Justiz sieht kein strafbares Verhalten im Fall Magnitski/Hermitage. Im Hochhalten des völkerrechtlichen Vertrauensprinzips zwischen Behörden ist die Schweiz so zuverlässig wie ein Uhrwerk. Nichts von Willkür und Bananenrepublik.

Damit hebt sie sich von England ab. London versteht sich als Zufluchtsort für Leute, die bei autoritären Regimes in Ungnade gefallen sind. Wer mit vollen Geldkoffern nach Grossbritannien kommt, findet dort Verständnis, diplomatische Schützenhilfe – und das offene Ohr des Economist.

Das Leibblatt der internationalen Wirtschaftselite macht sich zum polemischen Sprachrohr der Interessen Bill Browders. Sein Schweiz-Bashing darf man, wie man in London sagt, «with a grain of salt» geniessen.

Link zum Artikel: https://www.economist.com/finance-and-economics/2021/01/23/a-swiss-money-laundering-probe-raises-disturbing-questions

125 4

Schreiben Sie einen Kommentar

© Copyright 2021 - Weltwoche daily

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche-daily.ch dienen als Diskussionsplattform und sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird. Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels oder wo angebracht an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Persönlichkeitsverletzende und diskriminierende Äusserungen hingegen verstossen gegen unsere Richtlinien. Sie werden ebenso gelöscht wie Kommentare, die eine sexistische, beleidigende oder anstössige Ausdrucksweise verwenden. Beiträge kommerzieller Natur werden nicht freigegeben. Zu verzichten ist grundsätzlich auch auf Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen), wobei die Online-Redaktion mit Augenmass Ausnahmen zulassen kann.

Die Kommentarspalten sind artikelbezogen, die thematische Ausrichtung ist damit vorgegeben. Wir bitten Sie deshalb auf Beiträge zu verzichten, die nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Unzulässig sind Wortmeldungen, die

  • Nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommerzieller Natur sind
  • andere Forumsteilnehmer persönlich beleidigen
  • einzelne Personen oder Gruppen aufgrund von Rasse, Ethnie oder Religion herabsetzen
  • in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • verächtliche Abänderungen von Namen oder Umschreibungen von Personen enthalten
  • mehr als einen externen Link enthalten
  • einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Online-Redaktion behält sich jedoch vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Es besteht grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.