05. Mai 2021
Cora Stephan

Political correctness in der Literatur – der Katalog der Tabus wird immer dicker. Das wird sich rächen

Literatur ist vermintes Gelände, wissen wir ja. Klassiker, in denen ein Negerkönig oder Indianerhäuptling vorkommt? Ab in den Giftschrank. Insbesondere junge Schriftsteller seien gewarnt: Der Katalog mit allem, was tabu ist, wird immer dicker. Sofern sie sich nicht selbst vorauseilend zensieren, wird es womöglich ihr Verlag tun.

So musste eine ebenso angesehene wie kämpferische Schriftstellerin wie Lionel Shriver einsehen, dass es ein Stereotyp bedient, wenn sie einer ihrer Romanfiguren einen leicht afrikanischen Akzent verleiht. Verleger sowohl in Großbritannien als auch in den USA haben das Projekt der Biografie eines Schwarzen abgelehnt, weil eine britische Historikerin sie schreiben wollte, die weiß ist. Das ist mindestens so schlimm, wie als Schriftsteller in einer Verbindung zu Präsident Trump gestanden zu haben, die nicht aus Häme und Verachtung bestand – mehr als zwei­hun­dert Mitar­bei­ter von Simon & Schus­ter in New York forder­ten, solcherlei Autoren nicht zu publizierren.

Das kann auch in Deutschland passieren, etwa wenn es um ein Werk von Thilo Sarrazin geht, das eine Verlagsbelegschaft ablehnen darf, ohne seinen Inhalt zu kennen. Warum auch? Nicht nötig, der Mann ist einschlägig bekannt!

Verlage, die vor woken Attacken einknicken, verwechseln die Sprachwarte offenbar mit ihren Lesern. Das könnte sich rächen.

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11 Kommentare zu “Political correctness in der Literatur – der Katalog der Tabus wird immer dicker. Das wird sich rächen”

  • jan schneidler sagt:

    In dem CO2-Gesetz heisst es, es sei eine Abgabe, aber es ist in Prinzip eine Steuer.
    Dazu sage ich nur: Mohrenkopf nennt man jetzt Schokoladenkuss!

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  • Meinrad Odermatt sagt:

    Was wäre wohl, wenn die Namensgebung der Nazis eine andere gewesen wäre? SOZIAL-NATIONALISTEN. Hätte genauso gepasst. Das Übel hätte aber einen anderen Akķzent, denn National ist nicht totalitär.

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  • rayer sagt:

    Nein, überhaupt nicht. Sie wussten es ja nicht besser. Aber jetzt wissen Sie wenigstens, woher Ihre strukturell rassistischen Gedanken herkommen, zwinkersmiley.

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  • hape sagt:

    Muss ich mich jetzt schämen, dass ich in meiner Kindheit im Chindsgi Trudi Gersters Schallplatte "D Gschicht vom dumme Negerli Wumbo Wumbo" mitgehört habe?

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  • Tenor sagt:

    Es ist schon gefährlich, deshalb muss schon im Voraus akribisch dafür gesorgt werden, dass ein Buch nicht Applaus von der falschen Seite bekommt.
    Man müsste geradezu "Applaus-Beauftragte" installieren, die im Voraus verbieten, was Applaus von der AfD oder von sonstwo rechts bekommen könnte. Krankenhäuser zum Beispiel. Oder Seelsorge; Krebsforschung. Überhaupt: Die Ernährung; Getränke... Man sieht, da gibt's noch viel zu tun...

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  • Stefan Christen sagt:

    Dies alles ist eine unbeschreibliche Dekadenz, die der Bevölkerung vom akademischen Mittelstand aufgezwungen wird. Ich bin gespannt darauf, wie sich die Verkaufszahlen solcher Produkte bei den Verlagen entwickeln. Allenfalls wird man bei den Verlagen diese "Political correctness" wieder entfernen oder von unserem inzwischen sozialistischen Staat finanziert werden.

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    • Markus Kappeler sagt:

      Verkaufen? Völlig überbewertet. Wichtig ist, dass man subventioniert wird. Das macht man heute bei allen Medien, die nicht mehr rentieren, weil sie nur noch uninteressant Propaganda veröffentlichen.

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  • Melanie sagt:

    Zensur. Bücherverbrennung kommt noch. Wie bei den Nazis - und allen anderen Totalitären, die es, egal wo, schon immer gab und leider immer wieder geben wird, weil menschliche Unvernunft niemals ausstirbt. Und Erfahrung + Wissen bedauerlicherweise nicht erblich ist.

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    • Markus Kappeler sagt:

      Bücher verbrennen war Gestern, viele effektiver ist, Bücher, die den Faschisten nicht gefallen, erst gar nicht zu drucken. So hat sie auch niemand gekauft und gelesen.

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      • Melanie sagt:

        Man muss sie ja nicht drucken, sondern stellt sie online. Online kaufen und lesen. Und die zensurierten Bücher sind dann eben auch online nicht mehr zu finden. Im Endeffekt dasselbe Desaster wie die Bücherverbrennung gedruckter Bände... 🙂

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