22. Januar 2021
Henryk M. Broder

Lockdown-Tipp: Machen Sie einen Bogen um Berlin, fahren Sie lieber nach Dortmund. Mit ein wenig Glück finden Sie dort jemand, der Ihnen die Haare schneidet

Vergangenen Sonntag landeten zwei Flugzeuge mit 427 Passagieren auf dem neuen Internationalen Willy-Brandt-Flughafen Berlin-Brandenburg. Die eine Maschine kam aus Albanien, die andere aus Moldawien. An Bord waren «keine Urlauber, sondern Arbeiter aus den ärmsten Ländern Osteuropas, die unsere Baustellen am Laufen halten», so das Boulevardblatt BZ.

Die Flughafenleitung war auf einen solchen Ansturm nicht vorbereitet. Vor den vier offenen Kontrollschaltern kam es zu einem Gedränge, Schulter an Schulter, Rücken an Bauch. Die Pässe wurden sorgfältig kontrolliert, die Reisenden nicht getestet.

Als der Vorgang bekannt wurde, erklärte der Flughafensprecher, das Gedränge hätte «vermieden werden können», wenn sich alle Passagiere an die Abstandsgebote gehalten hätten. Außerdem sei die Bundespolizei für die Besetzung der Passkontrollen verantwortlich.

Stimmt nicht, gab der Polizeisprecher zurück, «die Passagier-Steuerung liegt in Verantwortung des Flughafenbetreibers». Worauf der Pressesprecher des Flughafenbetreibers eine andere Erklärung nachschob. «Außergewöhnlich viel Personal» sei «zur Ordnung des Andrangs bei einem Abflug gebunden» gewesen.

So was! Auf dem BER landen nicht nur Maschinen, mit denen niemand gerechnet hat, es kommt auch unvorhergesehen zu Abflügen!

Das ist Berlin. In der Provinz läuft es anders. In Schwerte zum Beispiel, einer Gemeinde am Rande von Dortmund. Da hat die Polizei nach einem Hinweis aus der Bevölkerung «ein Coronaregel-widriges Treffen zum Haareschneiden aufgelöst», das im Untergeschoss eines Geschäftshauses stattgefunden hatte, mit 20 Teilnehmern, die sich ohne Abstand und Maske auf engem Raum aufgehalten hatten. Auf dem Boden lagen Haare, auf den Tischen habe Friseurbedarf gestanden, gab die dpa bekannt. Ausserdem hing der Geruch von Marihuana in der Luft.

Unser Tipp: Machen Sie einen Bogen um Berlin, fahren Sie lieber nach Schwerte. Mit ein wenig Glück finden Sie dort jemand, der Ihnen die Haare schneidet.

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1 Kommentar zu “Lockdown-Tipp: Machen Sie einen Bogen um Berlin, fahren Sie lieber nach Dortmund. Mit ein wenig Glück finden Sie dort jemand, der Ihnen die Haare schneidet”

  • Rolando Schmidinski sagt:

    Wieder einmal ist die Polizei nach einem HINWEIS AUS DER BEVÖLKERUNG eingeschritten. Diese Entwicklung ist sehr bedenklich! Krasser Fall aus Zürich: Nachbarn rufen am Weihnachtsabend die Polizei an. 12 Personen feiern Weihnachten. 4 Personen an diesem Weihnachtsfest waren aber Kleinkinder. Fazit: saftige Bussen für alle. Wo leben wir eigentlich? Wie lange lassen wir uns das noch gefallen? Denunzianten sind Verräter. Und tags darauf mit der Maske andere schützen? Zum kotzen!

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