14. Dezember 2020
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Christoph Mörgeli

Lukas Engelbergers Doppelmoral: Der Basler Gesundheitsdirektor macht sich unglaubwürdig

Corona-Zeiten sind Willkür-Zeiten. Man fragt sich, ob die Politiker selber an die Verbote glauben, die sie den Bürgern befehlen. Und ob sie sich auch selber daran halten.

Wie Worte und Taten auseinanderklaffen, zeigt der Fall von CVP-Regierungsrat Lukas Engelberger, Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren. In der Stadt Basel hat er kürzlich alle Gastrobetriebe und Sportanlagen schliessen lassen.

Letzte Woche deckte die Weltwoche auf, dass Engelberger in Sachen Corona Wasser predigt und Wein trinkt. Der Ertappte wies die Vorwürfe zurück. Die Basler Medien schlossen sofort den Verteidigungsring um ihn.

Am Wochenende legte Corona-Apostel Engelberger in den TA-Medien nach: Es sei «unverantwortlich», wenn die Menschen die verschärften «Massnahmen mit einem Ausflug in den benachbarten Kanton umgehen».

«Unverantwortlich» aber handelte vor allem einer: Engelberger. Noch am 15. November – und nicht «Anfang November», wie sich Engelberger gegenüber der Weltwoche verteidigte – tafelte er im Kreis von sieben Personen aus mehreren Generationen im Restaurant «Schlosshof» im solothurnischen Dornach. Dort wollte der Gesundheitsdirektor sogar die vorgeschriebene Vierertisch-Regel umgehen.

Zum Befremden des Personals verlangte er lautstark, zwei Tische müssten zusammengerückt werden. Engelbergers Vater unterstützte ihn dabei. Wenige Tage später liess der Regierungsrat in Basel alle Restaurants schliessen.

Drei Tage vor seinem Dornacher Ausflug hatte Engelberger die Corona-Situation an einer Medienkonferenz mit einem überfüllten, rasenden Bus verglichen: «Wir müssen dringend auf die Bremse treten». Kurz darauf gab Engelbergers Tafelrunde Vollgas, um in seinem Bild zu bleiben.

Zweierlei Mass: In seiner Stadt Basel legte Engelberger alle Sportanlagen auf Eis. Seine zwölfjährige Tochter drehte derweil Runden auf dem Eis in Sissach, im «benachbarten» Baselland. Worüber sich sogar die Basler Online Reports lustig machten.

Gelten für die Engelbergers andere Regeln als für alle anderen? Für den Christdemokraten ist es ein Geschenk des Himmels, dass die regionalen Medien seine doppelte Moral lieber zudecken, als aufdecken.

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