13. April 2021
Rolf Hürzeler

Medientrend Retro-Rassismus: Was tut man nicht alles, um wieder ins Gespräch zu kommen

Rassistische Vorwürfe sind schlimm. Aber manchmal auch ganz nützlich. Sie bringen die angeblichen Opfer zurück in die Schlagzeilen. Auch nach vielen Jahren.

Die TV-Seifenoper «Neighbour» ist für die Australier was die «Lindenstrasse» für die Deutschen – eine Endlosserie mit besseren und schlechteren Zeiten.

Jetzt erlebt die Reihe, die seit 1985, ausgestrahlt wird, gerade wieder einmal einen Skandal. Die weitgehend unbekannte Schauspielerin Shareena Clanton liess verlauten, sie sei einst auf dem Filmset rassistisch angemacht worden, weil sie indigene Wurzeln habe.

Sie hatte zwar nur einen einmaligen Auftritt und sagte nicht genau, wer Ungebührliches verlauten liess – aber das «N»-Wort sei gefallen. Die Empörung ist gross.

Ihre Anschuldigungen brachten auch ihrem Berufskollegen Meyne Wyatt die Erinnerung zurück. Es sei ihm vor vier Jahren ebenso ergangen, verkündete er, als er bei «Neighbours» mitmacht gemacht habe.

Beide Schauspieler bekundeten scheinheilig, ihre Bekenntnisse würden wohl ihrer weiteren Karriere schaden. Offenkundig ist das Gegenteil wahr: Die Vorwürfe sorgten in den Social Media für einen Sturm der Entrüstung.

Die beiden Namen waren wieder lanciert.

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5 Kommentare zu “Medientrend Retro-Rassismus: Was tut man nicht alles, um wieder ins Gespräch zu kommen”

  • T sagt:

    Ich werde täglich diskriminiert weil ich ein alter, weisser Mann bin. Erhalte ich jetzt Aufmerksamkeit?

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    • Edmo sagt:

      Nein, definitiv nicht. Als weisser alter Mann sind Sie generell chancenlos und mit diesem geringen, harmlosen Druck auf die Tränendrüsen ist eine vor Moral triefende Gesellschaft nicht zu beeindrucken. Da müssten Sie ganz andere Geschütze auffahren. Ich empfehle Ihnen in den Social Media vermehrt feministische und LGBTQ Seiten zu besuchen. Da finden Sie tolles Anschauungsmaterial.

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  • Fede sagt:

    Altbekannter Trick um wieder ins Gespräch zu kommen. Die Ami’s haben’s ja zur Genüge vorgemacht.

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  • Edmo sagt:

    Sich in den Medien als Opfer produzieren zu können, ist bei Opfern und Medien sehr beliebt. Dafür muss man nicht nach australischen C-Promis suchen. Es reicht schon ein Blick ins 20 Minuten, wo sich tagtäglich 'News Scouts' als traurige oder empörte Opfer einer unerträglichen Ungerechtigkeits-Erfahrung in Szene setzen dürfen. Auch da geht es nur um die 15 Minuten Berühmtheit, die heute jedem im Leben zustehen sollen. Peinlich, wenn man nicht mehr zu bieten hat.

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