03. Mai 2021
Lukas Steinwandter

Meinungsfreiheit muss auch für «Hetze und Hass» gelten – oder es ist keine

Wenn sich ein Medienhaus in Zeiten von Cancel-Culture für Meinungsfreiheit einsetzt, klingt das zunächst löblich. Wenn es sich dabei um einen öffentlich-rechtlichen Rundfunkverbund handelt, deren Sender diese Freiheit ignorieren oder gar bekämpfen, fühlt man sich als Gebührenzahler jedoch verscheissert.

Denn die ARD, die jüngst die «Charta der Meinungsfreiheit» unterzeichnet hat, fungiert oft mehr als Meinungswächterin denn als Plattform für kontroverse Debatten. Wenn ihr Vorsitzender Tom Buhrow sagt, es gehöre zu den «wichtigsten Aufgaben, Dialog zu fördern» und den «Austausch verschiedener Standpunkte und Perspektiven» zu ermöglichen, klingt das wie Hohn für jene, deren Argumente aus ideologischen Gründen nicht ausgetauscht werden dürfen.

Initiiert hat die Initiative der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der unliebsame Verlage auf seiner Frankfurter Buchmesse schon mal in ghettoartige Sackgassen steckt, damit sich kein Besucher in die Nähe der toxischen Meinungen verirrt.

Wie unernst es ihm ist, zeigt auch Punkt 5 der Charta: «Hetze und Hass werden nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt, sondern beschädigen sie.» Nur: Wer bestimmt, was das ist? Mutig wäre es gewesen, festzuhalten: Die Meinungsfreiheit gilt auch für das, was heute «Hetze und Hass» ist, denn schon morgen könnte darunter unsere Meinung fallen.

Lukas Steinwandter ist Redaktor der Berliner Wochenzeitung «Junge Freiheit».
518 1

12 Kommentare zu “Meinungsfreiheit muss auch für «Hetze und Hass» gelten – oder es ist keine”

  • Meinrad Odermatt sagt:

    "I hate her!" Das würde man auf deutsch mit "Ich mag sie nicht" übersetzen. Sagt doch alles über das verlogene Wortspiel.

    46
    1
  • Meinrad Odermatt sagt:

    "I hate her!" Das würde man auf deutsch mit "Ich mag sie nicht" übersetzen. Sagt doch alles über verlogene Wortspiel.

    19
    0
  • Dyx sagt:

    - Du, Papi, darf man heute noch seine eigene Meinung haben?
    - Wozu? Milch und vorgekochte Konserven kriegst Du im Supermarkt. Die Werbung sagt Dir genau, was für Dich gut ist. So verhält es sich auch mit der Meinung. Also, wozu eine eigene Meinung bilden? Willst Du etwa in unserer kleinen Stadtwohnung eine Kuh für Deine eigene Milch halten?
    - Aber Papi, seine eigene Meinung haben, das sei doch gut!
    - Nun ja. Solange Du sie für Dich behalten kannst, wird es noch gerade gut gehen.

    71
    1
  • Mueller sagt:

    😎Wenn ich schreibe S.....Linksgrüne ist es Hass und Hetze! 😷 Wenn ich aber schreiben würde S...... Nazis ist es freie Meinungsäusserung😎

    132
    2
    • Realistin sagt:

      Unter Hass und Hetze gehen heute schon Kommentare, die nichts als nachprüfbare Fakten und Zahlen enthalten. Wenn sie das Gegenteil dessen beweisen, was gewünsch wird
      Ich finde es unfassbar, was zum Beispiel in den Foren der Tamedia abgeht:
      Beleidigungen, Diffamierungen und Hass und Hetze gegen die SVP, Blocher, Trump, die alltäglich sind, werden problemlos veröffentlicht. Ein sachlicher Beitrag, der für ein SVP Anliegen votiert, wird immer zensiert.

      120
      0
      • Stefan Mueller sagt:

        DIE Tagesanlüger-Taktik...fast alle Tage ein Hetze-Artikelchen
        -oft gar mit grossteitschem(r) Wissen/Gründlichkeit, um linksextremen Hofnarren, vor allem (bezahlten?!?¨) Juso-Auskot...und alten senilen weissen Männern eine abgeschottete Plattform zu bieten!
        Alles nur, damit die, die so herzig apportieren, weiter nicht schnallen dass sie nur nützliche Idioten des Coninx-Milliardärs-Clans sind, der neben Staatsfuttertrog-Steuer-Mio.-Abzocke, die Frechheit besitzt zig Corona-Mio. zu erschleichen!

        16
        0
  • juege sagt:

    Das funktioniert, weil die Leute nicht mehr in der Lage sind, Texte zu lesen, zu hören und deren Sinn richtig zu interpretieren. PISA sei dank.

    137
    0
  • Gadsden flag sagt:

    Dazu passt einmal mehr Voltaies Zitat: « Ich bin zwar anderer Meinung als Sie, aber ich würde mein Leben dafür geben, daß Sie Ihre Meinung frei aussprechen dürfen.»
    Aber die Medien haben es nicht so mit den Lichtblicken der Aufklärung, sondern gebaren sich lieber wie die Jakobiner.

    146
    1
  • VP-Falger sagt:

    Dass Facebook, Twitter und andere mit ihrer Cancel-Kultur mehr Macht ausüben, als der Staat es überhaupt kann, ist mir völlig unerklärlich. Das Beispiel "Donald Trump" zeigt, wie marxistisch da vorgegangen wird. Neustes Beispiel: Ein Spargelbauer wird gecancelled weil er eine Spargel in der Hand hält und Facebook daraus einen Penis vermutete. Makaber!

    252
    0
  • Albert sagt:

    Hass ist ein Gefühl und Gefühle lassen sich kaum durch das Wort induzieren. Hetze ist eine orchestrierte Aktion, welche nur die Medien durchspielen können - Einzelmeinungen, wie ein Kommentar oder ein Buch schaffen das nicht.
    Naturgemäss kommt der Vorwurf von Hetze und Hass exakt immer aus jenen Kreisen, welche genau dies in Perfektion betreiben: mediale Hetze und Hass gegen die SVP, gegen Massnahmenskeptiker, gegen EU-Kritiker, gegen "Klimaleugner", gegen Migrationskritiker, Schweizer, usw.

    296
    1
    • Robert sagt:

      Genau! Das kommt immer von denen, die ständig von Toleranz reden, aber bei allem, was von ihrer (linken) Meinung abweicht, keinerlei Toleranz zeigen und je nachdem sogar mit Gewalt gegen solche "untolerierbaren" Ansichten vorgehen.

      164
      0

Schreiben Sie einen Kommentar

© Copyright 2021 - Weltwoche daily

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche-daily.ch dienen als Diskussionsplattform und sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird. Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels oder wo angebracht an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Persönlichkeitsverletzende und diskriminierende Äusserungen hingegen verstossen gegen unsere Richtlinien. Sie werden ebenso gelöscht wie Kommentare, die eine sexistische, beleidigende oder anstössige Ausdrucksweise verwenden. Beiträge kommerzieller Natur werden nicht freigegeben. Zu verzichten ist grundsätzlich auch auf Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen), wobei die Online-Redaktion mit Augenmass Ausnahmen zulassen kann.

Die Kommentarspalten sind artikelbezogen, die thematische Ausrichtung ist damit vorgegeben. Wir bitten Sie deshalb auf Beiträge zu verzichten, die nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Unzulässig sind Wortmeldungen, die

  • Nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommerzieller Natur sind
  • andere Forumsteilnehmer persönlich beleidigen
  • einzelne Personen oder Gruppen aufgrund von Rasse, Ethnie oder Religion herabsetzen
  • in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • verächtliche Abänderungen von Namen oder Umschreibungen von Personen enthalten
  • mehr als einen externen Link enthalten
  • einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Online-Redaktion behält sich jedoch vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Es besteht grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.