09. August 2021
Alex Baur

Mit billiger Rhetorik greifen Feministinnen eine der wichtigsten Errungenschaften der Aufklärung an: Das Verschuldensprinzip.

Hunderte Demonstranten forderten gestern in Basel den Rücktritt von Appellationsrichterin Liselotte Henz (FDP). Was die Richterin einem Vergewaltigungsopfer angetan habe, ereiferte sich eine der Einpeitscherinnen, sei «fast schlimmer als die Tat selbst».

Henz hatte letzte Woche bei einer Urteilseröffnung die Bemerkung gewagt, das Opfer habe «mit dem Feuer gespielt», es habe gegenüber dem Täter «falsche Signale» ausgesendet. Das Richtergremium reduzierte die Strafe einstimmig von 51 auf 36 Monate Gefängnis.

Die zwei Sätze lösten einen gewaltigen Shitstorm aus. Politikerinnen von ganz links bis ganz rechts zogen über Richterin Henz her. Tenor: Da wird ein Opfer zur Täterin gemacht!

Tatsächlich erfüllten die Richter lediglich ihre Pflicht: Sie wogen bei der Bemessung von Schuld und Strafe die belastenden wie auch die entlastenden Elemente gegeneinander ab. Neben der Schwere der Tat spielt dabei der Vorsatz aus der Perspektive des Täters eine zentrale Rolle. Eine vermeintliche «Mitschuld» des Opfers stand nie zu Debatte.

Die Angriffe der Politik richten sich gegen zwei fundamentale Errungenschaften der Aufklärung: Die Unabhängigkeit der Justiz sowie das so genannte Verschuldensprinzip.

Die Alternative wäre eine Brachialjustiz, wie sie in Drittweltländern gang und gäbe ist: Eingeschüchtert von der Politik und dem Mob der Strasse verhängen die Richter, unbesehen der Umstände und des subjektiven Verschuldens, einfach prinzipiell die Höchststrafe.

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20 Kommentare zu “Mit billiger Rhetorik greifen Feministinnen eine der wichtigsten Errungenschaften der Aufklärung an: Das Verschuldensprinzip.”

  • Freigeist sagt:

    Vor dem Hintergrund der im Stundentakt stattfindenden Vergewaltigungen ,
    vor allem durch Asylbewerber , für die Frauen reines Lustobjekt sind , halte ich
    diese Relativierung der Richterin für ein katastrophal falsches Signal .
    Die Abmilderung des Urteils hier als Akt der Objektivität zu feiern , verhöhnt die Opfer . Es ist nicht nachvollziehbar , wie leichtfertig sie diese Richterin
    zur Heldin stilisieren . Mit ihrer Relativierung streichelt sie die brutalen
    Vergewaltiger .

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    • Freigeist sagt:

      Das Stimmverhalten zeigt, welcher Wind hier weht . Motto : "...und dann wundern sie sich ,wenn sie vergewaltigt werden." Sie machen Juristen Mut, Täter noch verstärkter als zuvor zu Opfern zu machen und Vergewaltiger als "Verführte" darzustellen. Jeder radikale Islamist würde und wird Beifall klatschen.

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      • Freigeist sagt:

        Leute wie Herr Bauer , die dem Verschuldungsprinzip nachweinen ,
        sprechen Frauen ihre Würde ab . Egal was eine Frau anhat , wie sich schminkt , es rechtfertigt keine Vergewaltigung . Den Herrn feuern , ohne wenn und aber . Ihr hundertfacher Beifall zeigt die zynischen Spuren eines Männerstammtisches im Bordellviertel .

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    • Max Casalegno sagt:

      Man muss einen Horizont haben, der über den Tellerrand des Dorfklatsches nicht hinausschaut, im pauschal Asylbewerber und Vergewaltiger gleichzusetzen. Wenn eine solche (Un) Logik stimmen würde, wäre die Frau, wovon ich hier unten berichtet habe, meine Vergewaltigerin. Eine Lachnummer. Die Behörden unterstellten mir das Umgekehrte, ich hätte sie sexuell ausgenutzt und im Stich gelassen, bis sie den ungekürzten WhatsApp+Austausch lasen! Vermutungsprozesse wie im Mittelalter lassen grüssen.

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  • Max Casalegno sagt:

    Ich füge hinzu: einem Vaterschaftstest hat die "liebe" Frau zwei Jahre lang nicht zugestimmt, was nicht gerade dafür spricht, dass ich der Vater sei. Für die Behörden ist die Aussage der Frau offensichtlich der päpstlichen Unfehlbarkeit gleichzusetzen.

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  • Max Casalegno sagt:

    Vor 3 Jahren traf ich GELEGENTLICH eine Frau sans papiers. Schwanger. Geht zur KESB. Klage auf Alimente. Beweis: die Frau selber, "Zeugin"! Dazu Anschuldigungen, ich hätte von ihr profitiert und sie im Stich gelassen. Nach zwei Jahren Vermutungsprozesse habe ich den ganzen WhatsApp-Austausch fotografiert , 3 Behörden vorgelegt und Ausschaffung der "lieben" Frau beantragt. Jetzt gibt es Funkstille. Wer hat wen über den Tisch gezogen, wird langsam verstanden. Alles nur um Aufenthaltstitel und Geld

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  • Anstolmi sagt:

    Augenmass ist schon lange nicht mehr gefragt, vor allem bei der Regenbogenfraktion ist der Verstand, das Denkvermögen und die Logik vollständig abhanden gekommen. Das Gros der linken Journalisten schwafeln diesen Unsinn nach….

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  • VP-Falger sagt:

    Ursache und Wirkung... das uralte Spannungsfeld. Wenn man liederliche Einwanderungspolitik betreibt, dann ist die Wirkung anders, als in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als man die Haustüre Tag und Nacht offenlassen konnte, wo angehende Unholde schon im Ansatz von gleichaltrigen verprügelt und in die Schranken gewiesen worden waren. Da gab es noch keine eingebürgete Scharia und die damit verbundene "Gesundheits" Industrie mit Armaden von Psychologen, Übersetzern und Psychiatern.

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  • olive sagt:

    Man muss dankbar sein, dass die Justiz hier noch so unabhängig arbeitet.( wenn auch längst nicht immer)
    Und das sage ich als Feministin aus früheren Zeiten.

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  • hape sagt:

    Wieder mal typisch für "solche" Damen - die Klägerin reiht sich irgendwie in den Reigen von Spiess-Hegglin und Co. ein.
    Erst den Rocksaum heben und wenn das Gegenüber reagiert, zum Kadi rennen.
    Die Richterin spricht ja nicht von "Mitschuld" - richtigerweise - sondern vom Aussenden von Signalen.
    Also kein Grund für Feministinnen, auf die Richterin einzuprügeln...

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  • Edmo sagt:

    Billigste Rhetorik war schon immer das Markenzeichen der Feministinnen. Wo jegliche Logik fehlt, kann die Rhetorik nicht brilliant sein. Die Feministinnen fördern die Zuwanderung, beklatschen die Asylindustrie, wollen jeden einbürgern, der möglicherweise links wählt und streiten alle damit verbundenen Risiken konsequent ab. Wenn die Sache eins ums andere Mal aus dem Ruder läuft, müssen immer neue Schuldige aus dem Hut gezaubert werden. Keine Logik, keine Lernfähigkeit, so geht Feminismus.

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  • Rolf Bolliger sagt:

    Wenn jetzt Frauenrechtlerinnen und politextreme Gutmenschen sogar die Arbeit der Richter(innen) dermassen einseitig und ideologisch kritisieren und mit Schrillpfeifen auf der Strasse deren Rücktritt fordern, scheint sogar die Justiz unter dem Gesellschafts-Umbau nicht mehr sicher zu sein! Ein(e) Richter(in) muss vor einem Urteil alle Fakten von Täter und Opfer erwähnen dürfen, ob es den selbsternannten Gutmenschen passt oder nicht!

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  • Bischi49 sagt:

    Die Richterin, bzw. das Richtergremium, hat abgewogen und im Verhalten des Opfers mildernde Umstände für den Täter erkannt. Aber, so meine These, da die Frauen historisch gesehen erst seit Kurzem im Vollbesitz ihrer Rechte sind, befinden sich diese Empörten vielleicht noch im staatspolitischenTrainingslager? Wäre ein mildernder Umstand, da sie sonst lediglich als ideologiegetrieben betrachtet werden können.

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  • juege sagt:

    Mit dem Zuzug der Taliban wird sich das Problem von selber lösen.

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  • Max Casalegno sagt:

    In der Tat gibt es in Europa nur noch ein diktatorisches Matriarchat, das von gleich indoktrinierten Frauen und Männern betrieben wird. In Spanien ist der Verstoss gegen die Menschenrechte sogar Gesetz: "violencia de género". Nur Männer werden für Gewalt gegen Frauen bestraft, umgekehrt nicht. Im Rest Europas auch, de facto. Inzwischen mache ich in ganz Europa einen grossen Bogen um Frauen. Meine Frau ist in Afrika und bleibt dort. Ich fliege dahin. Dort sind die Verhältnisse noch normal.

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  • Hans Peter sagt:

    Ja, ganz bei Ihnen, Herr Baur.
    Nicht nur in diesem Fall und Themenkreis zeigt sich das Wiedererwachen dieses fatalen Dursts nach dem Pfaffentum und dem Scheiterhaufen, für den man die Errungenschaften der Aufklärung nur allzu willig und bedenkenlos über Bord zu werfen sich bereit zeigt.
    Das auferstandene Mittelalter frönt dem Paradies der klinischen Reissbrettsauberkeit. Sein Heiland trägt einen weissen Laborkittel und betet das Technokraten-Unser.

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  • markus.schudel@gmx.ch sagt:

    Die Amerikaner haben das absurde Gebaren der einäugigen Justizia zur Meisterschaft gebracht:

    Der weisse Polizist Chauvin tötet den schwarzen Kriminellen und wird in einem Showprozess zu 22 Jahren Gefängnis unbedingt verurteit.

    Ein schwarzer Sicherheitsbeamter des Capitols erschiesst - ohne physisch bedroht zu sein - eine weisse, unbewaffnete Unruhestifterin und kommt frei.

    Es schreit zum Himmel, aber das haben die Amerikaner exakt solchen Extremistinnen zu verdanken, die auch hier blöken.

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    • peterlinz sagt:

      Stimmt. Bei allen Demonstrationen und Tötungsopfern während den Unruhen in US-Städten im Jahre 20210 wurde mit verschiedenen Ellen gerechnet. Die meisten Medien halfen den Black lives matters und verschwiegen deren Schandtaten, die Gegner wurden unisono als Faschisten und Nazis bezeichnet.

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    • Max Casalegno sagt:

      Von einem Extrem ins entgegengesetzte. Logisches Denken fehlt. Heutzutage in Europa ist die Frau per dogmatischer Definition immer das Opfer. Un der Trend, Schwarze dogmatisch immer als Opfer zu betrachten, ist hier und da auch Mode geworden. Neulich war ich in Abidjan. Eine Frau sprach mich mit "le blanc" an. Ich sagte: waren Sie in Europa, möchten Sie als "la noire" angesprochen werden? Nein. Dann tun Sie es auch mit mir nicht. Ich bin übrigens auch Staatsbürger der Côte d'Ivoire, wie Sie!

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