02. September 2021
Claudio Zanetti

Am Pfauen ist der Ofen aus. Der Abbruch der traditionsreichen Zürcher Theater-Bühne ist nur folgerichtig

Im Streit über die Zukunft des Zürcher Schauspielhauses geht es vor allem um dessen Vergangenheit.

Darf ein Saal, in dem Weltpremieren von Bertolt Brecht, Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt stattfanden, ein Hort des freien Worts in der kulturfeindlichen Zeit des Dritten Reichs zerstört und durch einen Neubau ersetzt werden?

In einem Blog-Kommentar stellte jemand die einzig relevante Frage nach den herausragenden Leistungen der letzten Jahre.

Diese sind tatsächlich äusserst dürftig.

Da war einmal ein «Hamlet» mit «echten» Neonazis. Verantwortlich war ein gewisser Christoph Schlingensief. Aus Marketing-Gründen musste aber auch der Name «Shakespeare» aufs Plakat.

Schliesslich musste auch Schiller seinen Kopf hinhalten für einen kiffenden Wilhelm Tell, der dem Publikum seinen haarigen Hintern entgegenstreckte, während ihm Freiheit und Unabhängigkeit der Eidgenossenschaft an eben diesem vorbeigingen.

Kunst und Kultur dürfen zwar alles, aber sie sollten nicht langweilen, und was das Schauspielhaus für viele Millionen Steuerfranken produziert, ist langweilig.

Es sei denn, man findet gefallen daran, sich über jenen Teil der Bevölkerung lustig zu machen, der das Schauspielhaus noch nie von innen gesehen hat, aber gleichwohl dafür bezahlen muss.

Von Kritik an den Mächtigen ist nichts zu spüren. Es scheint, als sässen jene, die damals in der «Eingabe der Zweihundert» für Anpassung warben, heute im Verwaltungsrat und im Förderverein des Schauspielhauses.

Nur noch die Redaktion des Amtsblattes dürften angepasster und regierungstreuer sein als die «Kulturschaffenden» im Schauspielhaus.

Wer das Schauspielhaus für seinen Mut in der Vergangenheit lobt, muss auch seine Feigheit in der Gegenwart kritisieren. Der Abbruch der Pfauenbühne – mit oder ohne Neubau – ist der beste Ausdruck dafür.

Seien wir ehrlich! Der Ofen ist aus.

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3 Kommentare zu “Am Pfauen ist der Ofen aus. Der Abbruch der traditionsreichen Zürcher Theater-Bühne ist nur folgerichtig”

  • Marc Dancer sagt:

    Das "neue Theater" ist jetzt im Zürcher Stadtrat u. unter der grünen Kuppel zu Bern und ist nicht weniger miserabel, dafür umso mehr destruktiv. Zeitgeist eben!

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  • Florence sagt:

    Was soll’s? Wir älteren haben schöne Erinnerungen an das Schauspielhaus. Was heutzutage auf die Bühnen kommt ist sowieso nicht mehr nach unserem Geschmack. Zudem kommen wir Ungeimpften eh nicht mehr rein ins Theater. Also: Los, verschandelt die Stadt noch einwenig mehr. Wen kümmerts? Sind ja doch bald keine Zürcher mehr da.

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  • Alois Fischer sagt:

    Durchaus überlegenswert. Sich bloss mit veralteten falschen Federn zu schücken ist nicht die feine Art für gestandene Indianer.

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