19. April 2021
Beat Gygi

«Ohne Rahmenvertrag verliert die Schweiz Arbeitsplätze», sagt Swissmem-Präsident Hirzel. Was das Abkommen kostet, verschweigt er

Die Maschinenindustrie macht auf Bedürftigkeit. Der neue Swissmem-Verbandspräsident Martin Hirzel redet im Interview mit der NZZ am Sonntag ähnlich wie sein Vorgänger Hans Hess: «Ohne Rahmenvertrag verliert die Schweiz Arbeitsplätze.»

Das Gerede ist bekannt: Ohne Rahmenvertrag sei der Zugang zum Binnenmarkt gefährdet, weil bilaterale Verträge nicht aktualisiert würden. Politikerinnen sprechen das unbesehen nach.

Dabei spielt das für ein gesundes Unternehmen mit guten Produkten gar keine Rolle. Das Freihandelsabkommen gibt ja den Marktzugang.

Klar, Swissmem möchte im Schlafwagen in die EU fahren. Damit liessen sich ein paar Franken für Zertifizierungs-Formalitäten sparen. Und kurzfristig in der Branche einige Stellen retten.

Aber der Preis: EU-Vorschriften würden die Schweiz künftig beherrschen – total.

Und das Prinzip der EU-Regulierung ist glasklar: Bremse deinen Nachbar wie dich selbst. Alle Länder gleichermassen behindern, das ist Binnenmarkt-Harmonisierung. Fesselung der Schweiz.

Die Folge: Mit dem Rahmenvertrag verliert die Schweiz Arbeitsplätze. Viele Unternehmer sagen, sie würden im Fall des Falles abwandern, um der Gleichschaltung zu entgehen.

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19 Kommentare zu “«Ohne Rahmenvertrag verliert die Schweiz Arbeitsplätze», sagt Swissmem-Präsident Hirzel. Was das Abkommen kostet, verschweigt er”

  • Bernhard Bossard sagt:

    Für Herr Hirzel und Konsorten ist die Schweiz eine Hure.

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  • Meinrad Odermatt sagt:

    Ohne Rahmenvertrag verliert die Schweiz Arbeitsplätze. Und gewinnt wieder an Lebensqualität. Wir brauchen keine Arbeitsplätze für Leute die es hier nicht gibt. Nur um "reich" zu werden. Weniger ist mehr.

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  • Ferdinand Bohn sagt:

    Aussenhandel der Schweiz in Millionen Franken 2019 laut https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/industrie-dienstleistungen/aussenhandel/handelsbilanz-einfuhr-ausfuhr.html :
    Einfuhr 276 058 Millionen
    Ausfuhr 311 977 Millionen
    Saldo der Handelsbilanz 35 919
    Die Importe aus D betrugen 57,2 Milliarden Franken
    Die Exporte nach D 47,7 Milliarden Franken
    Die Exporte der Schweiz nach F oder I sind niedriger als die Exporte.
    Jede, jeder sollte wissen, ein EU-Beitritt bringt nichts.

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  • Buecherwurm sagt:

    Bitte genau hinhören: Er hat nicht gesagt "es gehen Arbeitsplätze für Schweizer verloren" sondern er hat gesagt, "es gehen Arbeitsplätze in der Schweiz verloren"! Wenn man Arbeitsplätze für Schweizer wollte, hätte man der ungebremsten Zuwanderung eine Absage erteilt und dann wäre der Schweizer Arbeitsmarkt noch so wie er war, es wüde mehr Nachfrage nach Arbeitskräften geben, als Areitskräfte.

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  • werfur sagt:

    Wer sich noch an die Kampagne zur Abstimmung über den EWR erinnert, dem kommen die neu aufgetischten Lügen alt bekannt vor. Solche Machthaber der Wirtschaft wollen nicht «Arbeits-Plätze erhalten, sondern Löhne drücken und die Demokratie zerstören.

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  • johann6a sagt:

    Mein Kommentar an anderer Stelle passt auch hier:
    Egal, ob man für oder gegen das InSta ist - was das schweizerische politische System in Sachen Rahmenvertrag seit Jahren für ein Chaostheater aufführt, ist schlicht peinlich. Wer eine nüchterne Sicht auf die Grenzen dieses Schönwetter-Systems vor grösseren Herausforderungen verweigert, verheddert sich bloss in persönlichen Schuldzuweisungen an Personen oder politisches Personal. Dass es denen in Brüssel verleidet ist, lässt sich nachvollziehen.

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  • Juerg Luethard sagt:

    Die Verbandslandschaft besteht nicht nur aus Swissmem und Economiesuisse. Die richtigen Unternehmer sind heute bei Autonomiesuisse (www.autonomiesuisse.ch).

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  • Peter Meier sagt:

    Ja: "Ohne Rahmenvertrag verliert die Schweiz Arbeitsplätze". Die Angstkeule ist seit Jahrzehnten das beliebteste und auch effektivste Argument um die Bevölkerung auf Kurs zu bringen. Moralisch und aus demokratischer Sicht gesehen ist es das verwerflichste aller Manipulationsinstrumente. Wenn diese Erkenntnis bei der Bevölkerung allmählich ankommt, haben die entsprechenden Kreise verloren.

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  • Edmo sagt:

    Natürlich denkt Swissmem-Präsident Hirzel an Umsatz und billige Arbeitskräfte. Natürlich interessieren ihn die direkte Demokratie und die nationale Souveränität der Schweiz nicht im Geringsten. Leider ist seine geistige Regsamkeit zu klein um zu verstehen, dass der Standortvorteil Schweiz mit jeder weiteren Annäherung an die EU verloren geht. Den Standortvorteil geniessen die Firmen, sonst wären sie schon lange in der EU. Trotzdem wollen sie diesen Vorteil möglichst schnell zunichte machen.

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  • Rolf Bolliger sagt:

    Die Hinterhältigkeit solcher "EU-Gebete" ist und war schon immer schnell durchschaubar gewesen! Teure ältere "Schweizer" (mit einem vielseitigen Berufs- und Branchen-Wissen ausbooten und dafür billige EU-Einwanderer anstellen!). Wenn dieser "EU-Gessler-Hut" doch nur endlich vors Volk kommen würde, damit diese "Totengräberei der Schweiz" endgültig aufhören könnte!

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  • eduardkeller sagt:

    VW möchte in Graz das MAN Werk schliessen, weil in Polen billiger gefertigt werden kann. Selbst wenn wir -wie Österreich- in der EU wären, müssten wir tatenlos zusehen, wie Arbeitsplätze nach Osten verschoben werden. Swissmem hin oder her.

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  • Mueller sagt:

    Für die Unternehmer ist die EU Personenfreizügigkeit ein „Leckerli“ der Sonderklasse. Gelernte Fachkräfte zum Tiefstlohn; für die Schweizer Fachkräfte ein Debakel! Das ist doch klar, dass die allermeisten Unternehmer dieses Abkommen befürworten!

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    • Peter Meier sagt:

      Eine anders gelagerte, grotesk entgleiste Gesellschaftsklempnerei, Herr Müller. 1998 führte die CH den Numerus clausus (Zulassungsbeschränkung) für das Medizinstudium ein. Begründung: weniger Ärzte, weniger Kostensteigerung. Folge: heute praktizieren 37,4% ausländische Ärzte mit ausländischem Diplome in der CH. Im Klartext: das Ausland hat die teure Ausbildung finanziert, wir haben sie uns erspart und heute Arteiben diese Fachkräfte im Hochlohnsegment bei uns und fehlen in den Herkunftsländer.

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  • Bischi49 sagt:

    Danke für die klaren Worte. Die sind wohltuend im Gewitter der Angstmacherei.

    Dazu ein Satz aus dem Artikel des Philosophen Alexander Grau: „ Subversion heisst heute, sich alte Strümpfe überzuziehen“ in der NZZ vom Samstag:

    „Insbesondere Liberale sollten sich von der naiven Illusion befreien, Konzerne und Wirtschaftsverbände seien ihre natürlichen Verbündeten“.

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  • Albert sagt:

    Seit 1992 hat sich die unerträglich dekadent gewordene Schweiz freiwillig immer selbst gefesselt, wenn es die EU wollte oder sogar nur wünschte! Für dieses zwanghafte Nachvollziehen von allem, was Brüssel sich wünscht, hat die CH meist auch noch freiwillig mehr bezahlt, aus ursprünglich in Aussicht gestellt. An diesem seit Jahrzehnten untertänigsten Verhalten "unserer" Regierung würde sich daher weder durch einen Rahmenvertrag, noch durch einen EU-Beitritt etwas ändern. UNERTRÄGLICH!

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  • T sagt:

    Diesen ehrlosen, schwachen Opportunisten ist keine Nebelpetarde zu peinlich, um sich auf Kosten einer einzigartig, erfolgreichen Demokratie, kurzfristig die Taschen füllen zu wollen. Ganz Europa und Teile der Welt, streben eine internationale Diktatur gegen die Freiheit der Menschen an. Unsere Stastsform passt da logischerweise nicht rein und das ist gut so!

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  • VP-Falger sagt:

    Statt billige Arbeitskräfte im Hinterkopf zu haben, sollte Martin Hirzel dafür einstehen, dass die Schweizer Arbeitsplatz- sowie die übrige Politik stabilisiert wird, statt das Ansehen der Schweiz zu demolieren. Die Armbrust war einst das Qualitätszeichen auf unseren Produkten. Gleichmacherei hat noch nie zum Erfolg sondern nur zu Absenkung des Durchschnitts geführt.

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