01. Dezember 2020
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Christoph Mörgeli

Politgeograf Michael Hermann, der Wissenschaftler als Aktivist

Im Sommer 2014 verkündete Michael Hermann im Tages-Anzeiger, seine persönlichen «Werte» stünden per sofort über der sachlichen Analyse. Statt bloss ein «eingeschüchterter Volksversteher» sei er künftig ein «progressiver Meinungsmacher».

Das beweist er jetzt beim Parlamentarier-Ranking in der NZZ. Auf dem rechten Pol erreicht der Schwyzer Pirmin Schwander +9,9 (von +10). Ganz erstaunlich geht es aber am linken Pol zu und her. Hier hält die Genferin Stéfanie Prezioso mit -8,8 (von -10) die Extremposition. Sie gehört der solidaritéS an, die den Marxismus wiederherstellen will.

2019 kam die Basler Gewerkschafterin Silvia Schenker (SP) auf eine tiefrote -10, ebenso die Grünen-Präsidentin Regula Rytz. Mattea Meyer lag auf -9,8, Cédric Wermuth bei -9,7. Doch jetzt politisieren die SP-Co-Präsidenten plötzlich mit -7,5 beziehungsweise -7,9. Rytz liegt bei wundersamen -7,7. Wie kommt dieser «Rechtsrutsch» der Linken zustande?

Michael Hermann erklärt es so: «Mit dem vorliegenden Rating wurde die Methode leicht angepasst, um eine realistischere Darstellung der Positionsveränderungen zu ermöglichen.» Tatsächlich hat der Politgeograf die linken und mittleren Parlamentarier massiv nach rechts gerückt. Ansonsten würde man nämlich erkennen, dass nicht nur die SP, die Grünen, die Grünliberalen und die BDP links der Mitte politisieren, sondern auch die CVP. Und die FDP stünde ziemlich im Zentrum des politischen Spektrums, aber kaum mehr auf der bürgerlichen Seite.

Warum nur versucht der «progressive Meinungsmacher» Hermann, dies mit seiner Zahlenakrobatik zu verschleiern?

 

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