11. Mai 2021
Rolf Hürzeler

Schwarz gegen Weiss: Algorithmen verstehen den Unterschied zwischen Spiel und Politik nicht. Das führt nicht nur im Schach zu Problemen 

Der Kroate Antonio Radic betreibt den weltweit anerkannten Schachkanal auf Youtube mit mehr als einer Million Abonnenten. Vor einem Jahr stockte das Geschäft. Sein Programm wurde unterbrochen, ausgerechnet während der Übertragung mit dem 33-jährigen amerikanischen Grossmeister Hikaru Nakamura.

Während der Übertragung fielen immer wieder Sätze wie «Weiss gegen Schwarz» oder umgekehrt – und das geht nun gar nicht. Zumindest nicht nach dem Monitoring, das die Inhalte von Plattformen wie Youtube kontrolliert, wie eine Untersuchung der privaten Forschungsinstitution Carnegie Mellon University nun ergeben hat.

Die Youtube-Überwachung basiert zum einen auf menschlicher Wahrnehmung, vor allem aber auf Algorithmen, künstlicher Intelligenz (AI) also. Diese kann und will nicht unterscheiden zwischen Rassismus und einer Farbbezeichnung, wie beispielsweise Schwarz und Weiss bei Schachfiguren.

Das macht die Künstliche Intelligenz irgendwie sympathisch.

Der Kanal von Radic wurde nach 24 Stunden wieder freigegeben. Vielleicht musste die AI zwangsweise dazulernen.

325 0

3 Kommentare zu “Schwarz gegen Weiss: Algorithmen verstehen den Unterschied zwischen Spiel und Politik nicht. Das führt nicht nur im Schach zu Problemen ”

  • VP-Falger sagt:

    Wenn ich das Übersetzungsportal "LEO" öffne und "artificial" eingebe, denn von dort kommt die deutsche Übersetzung, dann kommt tatsächlich zuoberst das Wort "künstlich".

    An zweiter Stelle aber kommt schon das Wort "unecht" was in diesem Zusammenhang der englischen Bedeutung meines Erachtens wesentlich näher kommt. Es sind allenfalls lernende Algorhythmen.

    19
    0
  • Stefan Christen sagt:

    Der Rassismus ist wieder da. Alle reden von Hautfarben und Unterschieden. Der Traum von Martin Luther King von 1968, dass die Hatfarbe eines Menschen keine Rolle mehr spielt, scheint nach kurzer Erfüllung überwunden. Er wird genau von den Leuten als Ziel elliminiert, die ihn ursprünglich zur Realität brachten.

    89
    1
  • Albert sagt:

    Derartige künstliche Intelligenz bei der Youtube-Überwachung kann nicht von wahrhaft intelligenten Leuten stammen, sondern ebenfalls nur von künstlich Intelligenten. Künstlich deshalb, weil solche Zensurfritzen nicht selbst etwas hinterfragen, sondern einzig innerhalb von anderen geschaffenen, künstlicher (lebensfremder) Narrative denken können.

    139
    1

Schreiben Sie einen Kommentar

© Copyright 2021 - Weltwoche daily

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche-daily.ch dienen als Diskussionsplattform und sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird. Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels oder wo angebracht an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Persönlichkeitsverletzende und diskriminierende Äusserungen hingegen verstossen gegen unsere Richtlinien. Sie werden ebenso gelöscht wie Kommentare, die eine sexistische, beleidigende oder anstössige Ausdrucksweise verwenden. Beiträge kommerzieller Natur werden nicht freigegeben. Zu verzichten ist grundsätzlich auch auf Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen), wobei die Online-Redaktion mit Augenmass Ausnahmen zulassen kann.

Die Kommentarspalten sind artikelbezogen, die thematische Ausrichtung ist damit vorgegeben. Wir bitten Sie deshalb auf Beiträge zu verzichten, die nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Unzulässig sind Wortmeldungen, die

  • Nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommerzieller Natur sind
  • andere Forumsteilnehmer persönlich beleidigen
  • einzelne Personen oder Gruppen aufgrund von Rasse, Ethnie oder Religion herabsetzen
  • in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • verächtliche Abänderungen von Namen oder Umschreibungen von Personen enthalten
  • mehr als einen externen Link enthalten
  • einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Online-Redaktion behält sich jedoch vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Es besteht grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.