21. Juni 2021
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Florian Schwab

SNB-Präsident Thomas Jordan irrt: Die Nationalbank-Gewinne gehören dem Volk

Der Nationalbank-Präsident hält nichts von der Idee, die Ausschüttungen der SNB-Gewinne zu erhöhen, etwa zugunsten der Kantone oder der AHV.

Unter normalen Bedingungen hätte Jordan Recht. Die Nationalbank darf nicht zum Selbstbedienungsladen der Politik verkommen. Und schon gar nicht sollten ihre Gewinne zum Zudecken der Finanzlöcher in einer zusehends maroden Sozialversicherung genutzt werden.

Aber die Bedingungen sind nicht normal. Seit etwa zehn Jahren wirft die SNB Schweizerfranken auf den Markt, um die Währung zu schwächen. In unvorstellbarer Menge: Auf rund 800 Milliarden Franken beläuft sich mittlerweile die Bilanz der Nationalbank – mehr als der Wert der jährlich in der Schweiz produzierten Güter und Dienstleistungen.

Damit schwächt die Notenbank künstlich die Kaufkraft des Frankens. Das mag der Exportindustrie für eine gewisse Zeit helfen, für die Bürgerinnen und Bürger des Landes ist es eine Art Enteignung. Ihnen wird verwehrt, im vollen Umfang von der Leistungsfähigkeit der durch sie getragenen Volkswirtschaft zu partizipieren. Mit den Negativzinsen wird diese Enteignung auf die Spitze getrieben.

Demokratisch legitimiert ist das alles nicht. Drei Leute im Direktorium treffen Entscheidungen mit massivsten Auswirkungen auf den Wohlstand und seine Verteilung.

Nationalbank-Gewinne, die auf so fragwürdigen Instrumenten beruhen, gehören nicht der SNB. Sie gehören dem Volk.

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14 Kommentare zu “SNB-Präsident Thomas Jordan irrt: Die Nationalbank-Gewinne gehören dem Volk”

  • Guy Tiger sagt:

    Nein, Herr Schwab, da muss ich ihnen widersprechen. Herr Jordan hat Recht, wenn er sich gegen eine Monetarisierung der riesigen Buchgewinne der SNB wehrt. Dieser Buchgewinn resultiert aus CHF, welche nur "virtuell" bestehen. Diese können schnell geschaffen, aber auch ganz schnell wieder verschwinden. Werden Buchgewinne aber monetarisiert, dann tragen Sie genau zur Inflation resp. zur Kaufkraftschwächung bei. Also Buchgewinne nicht in den Umlauf bringen resp. zu realem Geld machen!

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    • anna bally sagt:

      Ich bin ganz Ihrer Meinung Herr Tiger und finde Journalisten sollten nicht Ratschläge erteilen oder noch schlimmer Forderungen publizieren über einen Bereich/Branche von dem sie selbst wenig, oder rein gar nichts verstehen. Für mich ist das Hetzerei. Freundliche Grüsse A. Bally

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  • Mueller sagt:

    Ich bin kein Wirtschaftswissenschaftler, aber das mit den Minuszinsen ist doch eine Billigstmassnahme, die sich in mittlerer Zukunft zu einem Super GAU entwickeln wird!

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    • turikum sagt:

      Keine Angst, Wirtschafts-"Wissenschaftler" gibt es nicht. Jordan & Konsorte gehören zur Kaste der Märliverzählern, die nur ihnen eingedrichterte Dogmen wiederholen. Mehr ist nicht dran.
      Sogar ein Nobelpreis-Plagiat haben diesen Ökonomen erfunden, um ihren Ideen Gewicht zu verschaffen.
      Jordan ist ein Spekulant mit seiner SNB. Ich bin zwar nicht völlig dagegen, aber einen Transfer dieser 100 Milliarden ans Volk ist nicht schlimmer als das was er macht. Auf das "wie" und "für was" komt es an.

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  • Angy Scheiwiler sagt:

    Das Nationalbank-Guthaben dem Volk, die direkte Demokratie dem Volk, Freiheit und Lebensfreude dem Volk, kurz: das Volkswohl dem Volk, - Fehlanzeige!

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  • VP-Falger sagt:

    Die SNB ist auch zu einem der grössten Aktienplayer geworden und hat auch dankdessen grosse Gewinne eingefahren. Wäre es nicht an der Zeit, unsere Altersvorsorge zu liberalisieren und von den massiven staatlichen Ketten zu befreien?

    Private Sparer müssen Verlustminderungen als Gewinne versteuern. Eine Absurdität sondergleichen! Es wird höchste Zeit, dass dieser Linksdrall bei der Altersvorsorge liberalisiert wird.

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  • martin ordody sagt:

    Der Herr Schwab irrt. Die Nationalbank macht nur das was notwendig ist und der Exportindustrie zu helfen und die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Das sich jetzt auch die WW zu den Linken gesellt welche die unsicheren Milliarden der SNB für populistischen Maßnahmen auch benutzen wollen ist befremdend. Die Situation ist ungesund und wird früher oder später folgen haben, die Inflation steigt und somit werden die Gewinne der SNB auch wieder relativiert. Alles folgen der EZB, unerwähnt.

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    • ug sagt:

      Wenn ausländische Investoren bereit sind, einen Preis zu zahlen um einen Teil ihres Vermögens in CHF anzulegen, dann ist das nur richtig diesen zu Verlangen. Das ein Gewinn aus diesem Handel der schweizer Gesellschaft zusteht, kann wohl kaum Gegenargumentiert werden. Wieviele Mittel eine gesunde SNB benötigt muss man natürlich berücksichtigen.

      Mit einer Ausschüttungen dürfen keine politischen Anreize gesetzt werden. Daher sollte eine solche nur direkt an den Steuerzahler erfolgen.

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  • Robert sagt:

    Schade, dass die Nationalbank nicht einen fähigeren Direktor hat! Wenn das oberste Ziel die Schwächung der eigenen Währung und damit Diebstahl am Volk ist, dann ist so jemand nach meiner Meinung einfach ungeeignet für diesen Posten. Eine starke Währung wäre für die Exportindustrie zwar schwierig, wäre aber für die Schweiz und das Schweizer Volk besser!

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    • Fredi Stutz sagt:

      Man kann es drehen und wenden wie man will aber vor allem die massive Zuwanderung ist die gefährlichere Folge des Gelddruckens ohne Ende. Ein reines Ponzi System. Weder Export noch Kantone lassen sich so nachhaltig alimentieren.

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    • Hegar sagt:

      Absolut richtig beurteilt von Ihnen, geschätzter Robert.
      Die SNB hat im Sog der EZB-Euro-Flutung x-Hundert Milliarden Euro gekauft - die massive Geldmengenausweitung hat diesen Hintergrund.
      Sollte also dereinst der Euro massiv abwerten, so sähe Th. Jordan & sein Team der SNB uralt aus. Mit desaströsen Folgen für die CH-(Finanz-) - Wirtschaft. Ich nenne das Management by ,Wurscht ond Brot‘.
      Wurscht, da einfältig. Brot wird dann auch ,weggefressen‘ sein.
      Unverantwortlich hoch ,T-Euro‘!

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