11. Januar 2021
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Hubert Mooser
Hubis Bundeshaus

Über das Liebesleben von Bundesräten

Die Geschäftsprüfungskommission GPK wird ihre Untersuchung über die versuchte Erpressung von Bundesrat Alain Berset wohl gegen Ende Januar vorlegen. Wie die Weltwoche vor einigen Wochen berichtete, wurde der SP-Bundesrat von einer Frau erpresst. Um was es dabei ging, weiss man nicht genau, weil auf dem Strafbefehl entscheidende Passagen eingeschwärzt waren. Es ist nicht davon ausgehen, dass die Öffentlichkeit trotz GPK im Detail erfahren wird, warum Berset von einer Frau erpresst wurde. Das Privatleben von Bundesräten ist tabu.

Das bundesbernische Protokoll toleriert die Lebensgefährtinnen und Lebensgefährten von Bundesräten gerade noch bei Staatsempfängen. Treten sie aus dem Schatten heraus, sind Scherereien der Grund. Die Gattin des früheren Waadtländer Bundesrats Jean-Pascal Delamuraz beispielsweise gab zu reden, weil sie für Einkäufe die Dienstlimousine bestellte. Sonst bleiben die Gattinnen und Gatten fast unsichtbar, im besten Falle gibt es ein paar nette Bilder in der Glückspost oder der Schweizer Illustrierten, wenn sie an der Seite ihrer Partner zum Staatsbankett marschierten.

Das änderte sich mit dem Neuenburger Didier Burkhalter (FDP), dessen Ehefrau Friedrun so offensiv an die Öffentlichkeit drängte, dass andere Regierungsmitglieder darüber die Nase rümpften.

Natürlich lief das Eheleben zwischen Regierungsmitgliedern und ihren Ehepartner nicht immer harmonisch ab wie im Falle der Familie Burkhalter, die sich gerne händchenhaltend in der Öffentlichkeit zeigten. Von einer früheren Finanzministerin ist überliefert, dass sie ihren Gatten vor Zeugen bös zusammenstauchte. Von Berset und Ehefrau Muriel weiss man, dass sie während eines Auslandbesuches in der Staatskarosse vor dem Chauffeur und anderen Begleitern Auseinandersetzung austrugen. Obwohl man sich über solche Szenen in Bern viele das Maul zerrissen, geschrieben wird darüber selten.

Noch zurückhaltender zeigen sich besonders die Medien, wenn es um so genannte aussereheliche Affären von Bundesrätinnen und Bundesräten geht. Das liegt ein vielleicht auch daran, dass sich das Nachrichtenmagazin Facts in seiner Startphase vergaloppierte, als es über eine (angebliche) Affäre eines freisinnigen Bundesrates berichtete. Es fällt auf, dass immer dann, wenn in Bern Liebesgeschichten in Umlauf sind, die betroffenen Bundesrätinnen und Bundesräte ihr Eheglück in Homestories zelebrieren.

Zuletzt konnte man das bei Alain Berset beobachten. Just in der selben Zeit, als die mysteriöse Erpressung publik wurde und die Gerüchteküche brodelte, erschien in der Glückspost eine herzige Geschichte über das Liebesglück von Alain Berset und seiner Frau.

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