18. Februar 2021
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Hubert Mooser
Hubis Bundeshaus

Ueli Maurer, Guy Parmelin und Alain Berset finden sich gegenseitig toll, sagen sie. In Wahrheit herrscht kalter Krieg, wenn die Scheinwerfer aus sind

Langsam ist es nicht mehr nur das Virus und die Bewältigung der Corona-Krise, die einem Sorge macht, sondern das Verhalten der Schweizer Bundesräte.

Gestern haben Bundespräsident Guy Parmelin, Gesundheitsminister Alain Berset und Finanzminister Ueli Maurer über die Pläne des Bundesrates informiert, wie es mit dem Lockdown weiter gehen soll. Läden, Zoos, Museen und andere Einrichtungen sollen ab 1. März aufgehen. Die Beizen sollen geschlossen bleiben. Definitiv entschieden wird in einer Woche.

Aber lassen wir das einmal beiseite und konzentrieren uns auf eine amüsante Episode, die sich gestern während der Pressekonferenz ereignete. Das Trio wurde mit den Aussagen einer SVP-Nationalrätin konfrontiert, die Berset als Diktator bezeichnet hatte.

Die beiden SVP-Bundesräte Parmelin und Maurer legten daraufhin sofort öffentliches Bekenntnis ab, wie gut sie es im Bundesrat miteinander können und dass sie die Entscheide der Regierung solidarisch mittragen. Maurer betonte die gute Zusammenarbeit mit Berset, der die Arbeit des Bundesrates in schwierigen Zeiten lobpreiste.

Zum Schluss warf Parmelin auch noch die rhetorische Frage auf, ob ein Diktator vielleicht so aussehe, wie Bundesrat Alain Berset? Es war zum Fremdschämen und am liebsten hätte man hineingerufen: Ja, wie sieht denn ein Diktator eigentlich aus?

Aber vor allem sah es nach einer abgekarteten Geschichte aus, als habe man die Frage mit dem betreffenden Journalisten abgesprochen. Es ist in Bern gang und gäbe, dass Hofschranzen von Bundesräten befreundeten Journalisten vor und während Pressekonferenzen Fragen unterzujubeln versuchen, um ihren Chefs die Möglichkeit zu schaffen, eigene Botschaften zu platzieren.

In diesem Falle hat der Bundesrat ein grosses Interesse daran, bei der Bewältigung der Krise nicht als zerstrittene Solisten wahrgenommen zu werden. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Seit Beginn der Pandemie sickert praktisch jedes vertrauliche Dokument vor den Bundesratssitzungen an die Medien durch.

Diese Indiskretionen sind kein Zeichen von konstruktiver Zusammenarbeit. Mit dem Druck der Öffentlichkeit soll der Entscheid in die gewünschte Richtung gelenkt. Das ist politische Sabotage, ein kalter Krieg – auch wenn Parmelin, Maurer und Berset jetzt auf Friede, Freude, Eierkuchen machen.

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18 Kommentare zu “Ueli Maurer, Guy Parmelin und Alain Berset finden sich gegenseitig toll, sagen sie. In Wahrheit herrscht kalter Krieg, wenn die Scheinwerfer aus sind”

  • editzorn sagt:

    In der Schweiz haben wir ja gewollt einen schwachen Bundesrat. Warum gibt man aber dann diesem Bundesrat einen Hebel wie das Pandemiegesetz in die Hand. Das ist komplett widersprüchlich. Das Gesetz gehört wegboder entsprechend angepasst.

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    • danke sagt:

      Die Frage, weshalb wir einen schwachen Bundesrat haben, lässt sich auf die ganze Weltpolitik übertragen. Wo liegt der Sinn, einen gelifteten, senilen Biden oder eine sympathischblöde, von der Leyen das Weltgeschehen bestimmen zu lassen? Ganz einfach: Sie tun das, was andere befehlen. Andere, welche es erst möglich machen, dass schwache Politiker dort hinkommen, wo sie letztlich sind. Als Politmarionetten und Angestellte einer Weltelite Superreicher und mächtiger Familien.

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  • Juerg Schneeberger sagt:

    All die Parteioberen der mitte/links Parteien kamen mir gestern vor wie lauthals quakende Frösche in einem rotgrün verfärbten Teich, wo jeder/jede versuchte lauter als der andere zu quaken um die verkündeten Worthülsen der Froschkönige zu loben und zu kommentieren.

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  • Ronnie Angst sagt:

    Jammerlappen, das trifft es wohl sehr genau. Aber, jedes Volk hat nun mal die Regierung, die es verdient, wir sind schlicht und einfach degeneriert, faul und bequem. Solange wir nicht wieder lernen selber zu denken, Verantwortung zu tragen und Weitblick zu üben, werden wir uns wohl immer einen suchen, der die Führung und die Verantwortung für uns übernimmt. Für die Freiheit muss man etwas tun, die bekommt man nicht geschenkt.

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  • Juerg Schwaller sagt:

    you name it, Melanie. Die Hybris unserer unfähigen Schweizer „Eliten“ und ihrer Entourage ist unbeschreiblich. Sie sind empathieloses unteres Mittelmass und zerschlagen in ihrer Selbstüberschätzung Strukturen, ohne zu wissen, wo es hin- und wie es weitergehen soll. Unsere Werte, die Sicherheit der Menschen, und die Spielregeln der Demokratie werden von den „Eliten“ rücksichtslos zur Disposition gestellt. Und das Volk finanziert decot den unsäglichen Filz.

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  • werfur sagt:

    Es geht da vielleicht um Anekdoten für Insider. Aber ohne ein einziges konkretes Beispiel ist das etwas dünne Kost für das gewöhnliche Publikum

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  • juege sagt:

    Berset ist doch derjenige mit dem Gessler-Hut.

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  • Willi Weber sagt:

    Nicht nur das Verhalten der BR macht mir Sorgen, viel mehr noch die Meinung (wahrscheinlich sogar der Mehrheit) des Volkes. Wie ist es möglich, dass ein so grosser Teil der Schweizer diese unsäglichen und nutzlosen Massnahmen befürwortet, sind denn alle blind oder verblendet vom "Charme" unserer Diktatoren?

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    • Skywalker sagt:

      Ja, das ist wirklich beängstigend! Diese Bundeshaus Hörigkeit stimmt mich wirklich auch nachdenklich. Da kommt mir immer wieder das dritte Reich in den Sinn. Adolf sagt, die Juden müssen verfolgt und getötet werden und es wurde gemacht. Über das Warum, trauten sich wahrscheinlich nur die Wenigsten, Gedanken zu machen. War ja auch gefährlich. Jetzt stimmt die Bevölkerung auch in die Kakophonie von Bundesbern mit ein, ohne das Warum zu hinterfragen. Selber denken macht nicht mehr schön

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  • powerkraft sagt:

    Wir haben verlernt zu kämpfen, willenlos und weichgespült, ja die Nebelpetarden für Ihr versagen und für Ihren Rückzug wurden gezündet, wie können die noch ruhig schlafen?
    Kein Arzt würde vor einem Patienten auch wenn er noch so schwerverletzt daliegen würde, sich irgend was anmerken lassen, also keine Panik ohne Angst oder hilflose Emotionen, dass ist Psychologie und genau das erwarte ich von meinem Bundesrat und diesem Marcel Tanner, leider sind sie zuerst über Board gesprungen!?

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  • PeterSchaltegger sagt:

    Ich schätze Ihre Sendung sehr!! Aber das sind Ihre Leute Roger Köppel! Wir werden wohl wieder einmal mehr verar.....t. Es widert einfach nur noch an, was ihr Politiker hier treibt!
    https://www.nau.ch/politik/bundeshaus/bundesrat-maurer-parmelin-pfeifen-ihre-svp-zuruck-65873141?fbclid=IwAR0TND0j-fykKYQke7OlGT5wnhLSgHErksXwVWZ0zdj9i1uo00mxOkaJO7U

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  • Supertramp sagt:

    Der BR hätte die Möglichkeit gehabt, dem Rest von Europa (vor allem Dem Merkelland) zu zeigen, dass wir selbstständig und unabhängig sind und unseren Weg gehen, stattdessen hat er wieder von neuem seine Abhängigkeit zur Schau getragen! Angst und Feigheit, hinterher hinken und mit all dieser Mutlosigkeit wird klar, dass wir halt einfach von der Weltregierung (Globalismus, Weltkonzerne etc.) abhängig sind und das nur, weil unsere Regierung wirklich WASCHLAPPEN sind!

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  • ulrich vogt sagt:

    Tag Hubi

    Das Wichtigste: ja nie das übernehmen, was offiziell verlautet wird. Dass Berset der schlimmste Diktator nördlich des Äquators ist und dass die Bevölkerung gepeinigt und drangsaliert wird, wissen wir seit der Existenz der Weltwoche und der SVP, beide genährt von den Blochers, den anderen möchtegern Diktatoren in der Schweiz.

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    • Mueller sagt:

      Blocher ist wieder ein Privatmann, der sich sein Vermögen durch Intelligenz und Fleiss erschaffen hat! Wenn er als Bundesrat ein Diktator gewesen wäre , hätte er sich nach dieser intriganten Abwahl nicht von seinem Posten entfernen lassen!

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  • Melanie sagt:

    Feige Jammerlappen (die SVP-Bundesräte in diesem Fall; in anderen Fällen alle anderen auch), die nicht öffentlich zur eigenen Meinung und Ueberzeugung stehen können. Genau SO stellte man sich als SchweizerIn früher die verlogene und korrupte Politik einer "Bananenrepublik" vor. Unterdessen sind wir längst schon selber eine! Nur, dass es jetzt erst halt so richtig offensichtlich ist und auffällt. Leider merken es noch viel zu wenige oder wollen es nicht wahrhaben. Auch sie Jammerlappen!

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    • Juerg Schwaller sagt:

      you name it, Melanie. Die Hybris unserer unfähigen Schweizer „Eliten“ und ihrer Entourage ist unbeschreiblich. Sie sind empathieloses unteres Mittelmass und zerschlagen in ihrer Selbstüberschätzung Strukturen, ohne zu wissen, wo es hin- und wie es weitergehen soll. Unsere Werte, die Sicherheit der Menschen, und die Spielregeln der Demokratie werden von den „Eliten“ rücksichtslos zur Disposition gestellt. Und das Volk finanziert decot den unsäglichen Filz.

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