09. März 2021
Beat Gygi

Uni für alle: Der neue Rektor der Universität Zürich drängt auf den Massenmarkt – und schädigt damit die Reputation der Hochschule

Die NZZ am Sonntag spricht von einer Bildungsrevolution. Im Interview mit der Zeitung skizziert der neue Rektor der Universität Zürich, der niederländisch-schweizerische Doppelbürger Michael Schaepman, seine Offensive: die Hochschule für alle öffnen.

Das hiesse: Die Matur ist nicht mehr unerlässlich, die Uni soll alle Interessenten aufnehmen, die ihre Lehrgänge brauchen können. Zum Beispiel Manager, die mehr über China lernen wollen und ein offizielles Abschluss-Zertifikat vorweisen wollen.

Was ist revolutionär daran?

Nicht so viel, denn ganz Ähnliches machen Fachhochschulen heute auch. Sie erlauben es Berufsleuten und Praktikern, via Berufsmaturität und andere Kanäle zu akademischer Bildung und Hochschulabschluss aufzusteigen, auch mit Zusatz-Diplomen.

Die Fachhochschulen sind seit zwanzig Jahren in rasanter Expansion und bedrängen die Universitäten von unten her. Die Finanzierung via Kopfgeld treibt sie zur Maximierung der Studentenzahlen an.

Jetzt will sich Schaepman offenbar auch auf dieses Kampffeld begeben – in den Massenmarkt, das ist etwas anderes als der internationale Kampf um Reputation.

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6 Kommentare zu “Uni für alle: Der neue Rektor der Universität Zürich drängt auf den Massenmarkt – und schädigt damit die Reputation der Hochschule”

  • Edmo sagt:

    Die Reputation ist schon so sehr geschädigt, dass man sich deswegen keine Sorgen mehr machen muss. Wenn die Mehrheit der Studenten schon heute nur noch den Zeitgeist studiert und die Hochschulen trotz Diplom als bildungsfernen, antikapitalistischen Nachwuchs für ebenso aufgeblähte wie unfähige Behörden und Institutionen verlässt, gibt es nichts mehr zu verlieren. Der Massenmarkt bietet sich immer dann als verheissungsvolle Idee an, wenn die Qualität bereits den Bach runter gegangen ist.

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  • werfur sagt:

    Die Idee des Rektors der Uni Zürich, seine Institution zu öffnen, ist mutig, ja notwendig. Man hat selber den geforderten akademischen Titel erworben, viel Theorie studiert - oft art pour l'art» - und später heraus gefunden, die wahre Universität des Lebens war die praktische berufliche Erfahrung.
    Im Elfenbein-Turm von Academia werden auch allerhand, manchmal verstiegene Gewissheiten mit selbstzufriedener Allüre gelehrt. Die Dogmen zum Klima lassen grüssen, ein typisches Beispiel.

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  • Dangel sagt:

    Damit verabschiedet sich die Uni Züri von der Vision einer Elite Universität. Zum Glück haben wir noch die ETH.
    Jürg Dangel, Küsnacht

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    • juege sagt:

      Die ETH folgt auf dem Fuss. Wenn die behaupten "Um ein E-​Mobil über Nacht aufzuladen, muss man hierzulande in der Regel einen Parkplatz besitzen, den man mit einer Steckdose umrüsten kann" dann kommt auch bei der ETH der Strom bereits aus der Steckdose.

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  • hape sagt:

    Da sollte es endlich möglich sein, einen Abschluss ohne unnötigen Ballast machen zu können. Beispiel Psychologie: Da muss zwingend eiun Nebenfach belegt werden, auch wenn das eibem für den Psycho-Abschluss nichts bringt. Nur wegen der ECT-Punkte.
    Hier gilt es, anzusetzen und sich so vom Rest abzuheben.

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