04. Juni 2021
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Wolfgang Koydl

Schlag gegen die Korruption: Die USA verhängen Sanktionen gegen Bulgarien. Die EU schweigt. Den Guten sieht man kleine Sünden nach

Das US-Finanzministerium nannte es seinen grössten Schlag gegen die Korruption, als es soeben neue weitreichende Sanktionen gegen Privatpersonen und Firmen verhängte.

Doch wer ist das Opfer der Massnahmen? Belarus, Iran, China oder Nordkorea? Falsch. Es ist ein Nato-Partner und obendrein Mitglied der Europäischen Union: Bulgarien.

Seit Jahren schon gilt der Balkanstaat als das korrupteste EU-Land. Keine einfache Leistung, gemessen an der südosteuropäischen Konkurrenz.

Doch Brüssel, das bei üblichen Verdächtigen in Moskau, Minsk oder Teheran und bei Mitgliedern wie Ungarn oder Polen flugs mit Strafen zur Stelle ist, lässt bei den Bulgaren Milde walten. Auch Washingtons neueste Sanktionen wollte man lieber mit Schweigen übergehen.

Des Rätsels Lösung: Bulgariens Dauer-Premier Boyko Borissow ist nicht nur Parteifreund, sondern auch unverzichtbarer Partner jener beiden Damen, auf die es in der EU ankommt: Ursula von der Leyen und Angela Merkel.

Im Grunde genommen hat er sie in der Hand. Aber diese Methode kennt man ja in korrupten Staaten.

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4 Kommentare zu “Schlag gegen die Korruption: Die USA verhängen Sanktionen gegen Bulgarien. Die EU schweigt. Den Guten sieht man kleine Sünden nach”

  • Buecherwurm sagt:

    Zitat: "Seit Jahren schon gilt der Balkanstaat als das korrupteste EU-Land. Keine einfache Leistung, gemessen an der südosteuropäischen Konkurrenz."

    Ich bin deutscher Staatsbürger, lebe aber seit 28 Jahren nicht mehr da. Ein Brite, der zeitweise in Italien bei einem internationalen Riesenkonzern gearbeitet hatte, sagte mal die Italiener würden Deutschland als das korrupteste Land Europas bezeichnen. Ich glaube es inzwischen, nur der Normalbürger merkt nichts davon.

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  • Edmo sagt:

    Die Osterweiterung der EU war von Anfang an ein Machtspiel. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war klar, dass Länder wie Bulgarien, Rumänien, Ungarn oder Polen sich nicht schlagartig in Musterdemokratien mit freier Marktwirtschaft verwandeln würden. Sozialistische Länder bringen massenhaft asoziale Menschen hervor. Korruption ist nur eine Spielart der sozialistischen Verirrungen. Offensichtlich tragen die Balkanländer nun die Korruption vermehrt in die ganze EU. Nicht jeder Plan funktiert.

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    • Mueller sagt:

      Wäre doch die EU in ihren Gründerjahren der Montanunion stehen geblieben; Belgien, Niederlande, Luxemburg, Italien, Frankreich und Deutschland!
      Ich wage zu träumen und sehe , dass es in diesen Ländern mehr Wohlstand und Freiheit geben würde! Aber halt nur eine Fantasie!

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    • Meinrad Odermatt sagt:

      Was die EU (als US-Protektorat und visionäre Schnaps-Idee) braucht, sind keine von (de-facto kriminellen, revolutionären) open border Sozial-Ingenieuren aus den Sozialwissenschaften ausgeheckte Zwangsintegrationen, sondern freiwillige Austritte. Damit endlich das umgesetzt werden kann, was alle Nationen (auch die Schweiz) sofort unterschreiben würden: Eine Freihandelszone souveräner Mitgliedstaaten nach dem De-Gaulle-Modell eines Europas der Vaterländer. Wer ist eigentlich hier der NEIN-Sager?

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