04. Dezember 2020
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Claude Longchamp

Bern, eine Stadt links der Schweiz

Berns Parlament ist nach den Frauen- und den Klimastreiks von 2019 weiblicher, jünger, linker geworden. So die Etikette nach der Parlamentswahl vom vergangenen Sonntag. Die Frauen stellen jetzt 55 der 80 Mitglieder. Das ist haushoher Schweizer Rekord.

Bern zündete am 6. Dezember 1992 die Rakete der Städte, die – umgekehrt zur gesamten Schweiz – stärker nach links flog. Zwischenbilanz: Die Zauberformel der Bundesstadt wird immer linker und diverser. Im Schnitt sind die Gewählten jetzt unter 40. Vor 20 Jahren lag das Mittel noch bei 46.

Zwölf Parlamentsparteien zählt die erneuerte Berner Politik heute. Vorne sind und bleiben SP und Grüne. Dahinter hat sich 2020 erstmals die Grünliberale Partei (GLP) platziert, noch vor der Grünen Freien Liste (GFL) von Stadtpräsident Alec von Grafenried.

Doch braucht es seit neuestem weder die GFL noch die GLP, um in Regierung und Parlament der Bundesstadt eine linke Mehrheit zu bekommen. Angesichts der Dauererfolge bei den städtischen Wahlen wird RGM, wie das Regierungsbündnis heisst, bestehen bleiben.

Anders das «BüBü», das bürgerliche Bündnis für eine andere Regierung. Es versank am Sonntagabend in die Sprachlosigkeit. FDP und SVP, die 2020 erstmals wieder gemeinsam fochten, verspielten einen Viertel ihrer Wählerschaften und bleiben auf der Oppositionsbank.

Dabei hat die FDP, die dem Trend zu Jungen und Frauen folgte, die besseren Karten: Wenn 2024 Reto Nause von der CVP wegen der Amtszeitbeschränkung abtreten muss, dürfe sich das Berner Zentrum mit der GLP als Lokomotive und der FDP als bürgerlicher Einheizerin wohl neu bilden. Einen Sitz gibt das allemal. Ein zweiter ist mit gemeinsamem Offensivgeist möglich.

Nur noch eine Fussnote der Geschichte dürfte dann die SVP sein. Zwei Sitze gingen am Sonntag die Aare runter. Mann hat noch sieben – im wahrsten Sinne des Wortes!

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