04. Dezember 2020
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Beat Gygi

Wann kommt die Inflation? Niemand weiss es genau, aber die Einschätzungen werden düsterer

Warum sehen wir keine Inflation auf breiter Front, obwohl die Zentralbanken seit langem die Wirtschaft mit Geld überschwemmen? Das ist eine der meistdiskutierten Fragen in der Wirtschaft.

Kurz zwei Antworten renommierter Experten: Am Donnerstag sagte der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn im Interview mit der NZZ, die Geldpolitik sei insofern unwirksam, als das emittierte Geld gehortet werde, liegenbleibe. Aber das Potenzial für eine sehr hohe Inflation sei da – wenn das Geld in Umlauf komme, die Wirtschaft anziehe, die Preisspirale losgehe und nicht mehr zu stoppen sei.

Dass die Notenbanken dann rechtzeitig das Geld zurücksaugen könnten, hält Sinn für unwahrscheinlich, denn sonst würden hochschiessende Zinsen Vermögensblasen platzen lassen, Länder in den Bankrott treiben, nein, einen Rückwärtsgang gebe es nicht.

Gleichentags präsentierte der frühere Bankier Konrad Hummler mit Kollegen seine Sicht mit dem 30-seitigen Diskussionspapier «Verzerrte Welt» mit der elektrisierenden Frage: Ist die geldpolitisch angetriebene Hochstimmung mit stabilen Konsumentenpreisen, steigenden Vermögenswerten, Tiefzinsen, Gratis-Kapital und sorglosem Schuldenmachen eine «neue Normalität» oder ist es eine Sondersituation, die irgendwann korrigiert wird?

Hummler schreibt viel zu Letzterem. Ein Satz, der unter die Haut geht: Der Kapitalismus wurde von innen ausgehöhlt durch das süsse Gift «Alle-retten-alle-mittels-immer-höheren-Schulden-welche-künftige-Generationen-nicht-mehr-zurückzahlen-können». Alle warten immer wieder auf kollektive Rettung. Wird es knallen? Er lässt es offen.

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