17. Dezember 2020
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Hubert Mooser
Hubis Bundeshaus

Warum Alain Berset als Krisenmanager ins Schwimmen kommt

Im Frühjahr feierten ihn noch alle als Superstar und grossen Krisenmanager. Seine Hofberichterstatter bei Blick und den TX-Group-Medien und selbst bei der sich bürgerlich gebenden NZZ verbreiteten Elogen über den Sozialdemokratischen Gesundheitsminister. Inzwischen ist der Nimbus weg. Berset tut sich schwer im Kampf gegen Covid-19 und sein Krisenmanagement lässt zu wünschen übrig. Es fehlt an einer Strategie, es fehlt an der Plausibilität der verordneten Massnahmen.

Fragen wir einmal ganz naiv: Was ist eigentlich die Aufgabe eines Krisenmanager? Nach Lehrbuch soll er verhindern, dass die Krise ausser Kontrolle gerät.

Und was tut Gesundheitsminister Berset? Er verkündet jede Woche in immer schrilleren Tönen, dass die Situation ausser Kontrolle gerät. So auch am Mittwoch, als er Spitäler im Kanton Neuenburg besuchte. Er beobachte eine «sehr beunruhigende» Situation, liess er nach seinem Ausflug verlauten. Bei Pressekonferenzen in den Tagen davor sprach er
von einem besorgniserregenden Anstieg der Fallzahlen.

Dabei weiss er nach eigenen Aussagen ja schon lange, dass die Situation im Winter schwierig wird. Warum er dann im Sommer nicht mit Nachdruck den Aufbau eines effizienten Contact Tracing zur Unterbrechung der Ansteckungsketten durchgesetzt?

War er womöglich anderweitig zu stark eingespannt, zum Beispiel mit einem Buch, in dem er sich in als souveränen Krisenmanager glorifizieren lässt. Ist es gar die Folge dieser Selbstüberschätzung, dass ihm die Zügel zeitweise völlig entglitten sind. Einzelne Kantone verweigerten ihm jedenfalls in den letzten Wochen bei der Bewältigung der Pandemie die Gefolgschaft.

Als ihn neulich eine scharfzüngige Journalistin des Westschweizer Fernsehens in einem Interview aufforderte, er solle doch endlich seinen Job tun und nicht bloss ständig herunterbeten, wie schlimm die Situation sei, reagierte er und seine Entourage fast so, als hätte sich die RTS-Moderatorin zu einer groben Majestätsbeleidigung hinreissen lassen. Tatsächlich traf sie aber damit den Nagel auf den Kopf.

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