16. Dezember 2020
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Christoph Mörgeli

Warum das Problem nicht mehr bei den Intensivbetten, sondern beim Pflegepersonal liegt

Der Dienstweg war einmal. In der Covid-Katastrophe gibt es keine Hierarchien mehr. Darum haben sich fünf Universitätsspitäler mit einem alarmistischen Brief direkt an Bundesrat Alain Berset gewandt. Dabei handelt es sich bei den Kliniken um kantonale Institutionen in Zürich, Bern, Basel, Lausanne und Genf. Und diese unterstehen in Friedenszeiten eigentlich den entsprechenden Kantonsregierungen.

Doch die Professoren alarmieren über die Köpfe ihrer Vorgesetzten direkt den Bund: «Die gegenwärtige Entwicklung der Pandemie löst bei uns Universitätsspitälern eine tiefe Besorgnis aus.» Die Spitäler seien an die Schmerzgrenze gelangt. Gregor Zünd vom Universitätsspital Zürich fordert ultimativ «einen schweizweiten Shutdown» und die Ausrufung der ausserordentlichen Lage. Das öffentliche Leben müsse heruntergefahren, der Skisport verboten werden.

Interessanterweise liegt der Fokus neuerdings weniger auf dem Mangel an Intensiv-Pflegeplätzen. Das Hauptproblem ortet man jetzt im Mangel an Pflegepersonal. CEOs von Kliniken geben sich fast so militant wie Gewerkschaftssekretäre. Weshalb dieser plötzliche, ziemlich verwirrende Wechsel in der Problemstellung?

Die Gewerkschaften VPOD, Berufsverband für Pflege (SBK) und Syna fordern schon lange Gesamtarbeitsverträge in allen Spitälern. Mithilfe der Corona-Pandemie hoffen sie, zum Ziel zu kommen. Und machen Druck – offenbar mit Erfolg. Das Korsett des ehemals viel gerühmten liberalen Arbeitsmarkts würde dann noch enger. Bis irgendwann seine Atmung stockt. Und diesmal nicht wegen Corona.

 

 

 

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