18. Dezember 2020
Alles lesen
Beat Gygi

Warum ein Lockdown falsch wäre

Der Bundesrat will entscheiden, ob er einen Shutdown anordnen will und was dieser Schliessbefehl gegebenenfalls umfassen soll. Was sind seine Entscheidungsgrundlagen? Erstens die Experten der Bundes-Covid-Task-Force, die nach einem Herunterfahren der Schweiz rufen. Sie gehen damit weniger Risiken ein, als wenn sie fürs Offenhalten wären und sich dann allenfalls dafür rechtfertigen müssten. Interessenlage klar.

Zweitens Kantonspolitiker sowie Lukas Engelberger als Chef des Kartells der kantonalen Gesundheitsdirektoren, die alle möglichst viel Verantwortung auf den Bund abwälzen wollen. Drittens Ärzte, Spitaldirektoren und Vertreter der Pflegebranche, die jetzt die Krise für ihre Berufspolitik nutzen. Interessenlage auch klar.

Und sonst? Derart gravierende Beschlüsse, die Dutzende von Milliarden kosten, verlangen normalerweise solide Entscheidungsgrundlagen. Aber die sind nicht da. Die Virentests sind von schwammiger Aussagekraft, nie wurde eine sorgfältige Fehleranalyse vorgelegt. Und bei Positiv-Resultaten: Das Contact Tracing funktioniert nicht. Das Bundesamt für Gesundheit hat der NZZ und dem Portal Nau erschreckend schwache Zahlen genannt über den Ansteckungsort. Für die Hälfte der Fälle: «ohne Angaben» und «unbekannt», ein Sechstel: «anderer Kontakt».

Am konkretesten: «Familie» mit knapp 30 Prozent. Aber alles andere wie «Bar, Restaurant», «Schule, Kindergarten, Krippe», «Privatfest» oder «Veranstaltung» ist nur Kleinklein. Und genau auf diese Bereiche und Geschäfte zielt nun der Shutdown, den der Bundesrat im Auge hat, angefeuert von einer aufgeregten Umgebung. Wenn er das täte, wäre das einfach unbedachtes und blindes Draufhauen.

109 7

Schreiben Sie einen Kommentar

© Copyright 2021 - Weltwoche daily

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche-daily.ch dienen als Diskussionsplattform und sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird. Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels oder wo angebracht an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Persönlichkeitsverletzende und diskriminierende Äusserungen hingegen verstossen gegen unsere Richtlinien. Sie werden ebenso gelöscht wie Kommentare, die eine sexistische, beleidigende oder anstössige Ausdrucksweise verwenden. Beiträge kommerzieller Natur werden nicht freigegeben. Zu verzichten ist grundsätzlich auch auf Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen), wobei die Online-Redaktion mit Augenmass Ausnahmen zulassen kann.

Die Kommentarspalten sind artikelbezogen, die thematische Ausrichtung ist damit vorgegeben. Wir bitten Sie deshalb auf Beiträge zu verzichten, die nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Unzulässig sind Wortmeldungen, die

  • Nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommerzieller Natur sind
  • andere Forumsteilnehmer persönlich beleidigen
  • einzelne Personen oder Gruppen aufgrund von Rasse, Ethnie oder Religion herabsetzen
  • in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • verächtliche Abänderungen von Namen oder Umschreibungen von Personen enthalten
  • mehr als einen externen Link enthalten
  • einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Online-Redaktion behält sich jedoch vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Es besteht grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.