17. Dezember 2020
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Christoph Mörgeli

Warum wir den Impfgegnern das Feld nicht überlassen dürfen

Fanatische Impfgegner gab es immer. Seit je trugen die Medien zur Verbreitung ihrer skurrilen Ansichten bei. Indem sie geringe Nebenwirkungen sensationshaschend zu grossen Katastrophen aufbauschten. Und so die Angst schürten.

Die erste wirksame Impfprophylaxe galt der verheerenden Viruskrankheit Pocken. Um 1720 kam es zur Übertragung von Pockeneiter erkrankter Menschen auf gesunde Menschen. Das Verfahren nützte, barg aber zuweilen die Gefahr eines Ausbruchs von Pocken bei den Geimpften.

1796 verbesserte der englische Landarzt Edward Jenner die Pockenverhütung, indem er gesunde Kinder mit Pockeneiter einer kranken Kuh impfte. Nun karikierten Impfgegner die so Geschützten mit Kuhhörnern – im Aberglauben, die Menschen würden nun zu halben Kühen. Dank Jenners Verfahren gelten die Pocken seit 1977 als ausgerottet.

Heute sind zwei von drei Erregern der gefürchteten Kinderlähmung verschwunden. Einen zuverlässigen Schutz bot 1954 schon das erste Impfverfahren mit Übertragung von abgetöteten Polio-Viren. Als noch wirksamer erwies sich ab 1960 die Schluckimpfung mit lebenden abgeschwächten Viren. Dennoch kam es immer wieder zu Polio-Ausbrüchen – bei Bibelbuchstaben-Gläubigen und bei den Taliban.

Auch bei den neuen Impfstoffen gegen Corona melden sich Angstmacher und Bedenkenträger. Manche Impfgegner gehen soweit, die Pharmaunternehmen zu verdächtigen, sie hätten Covid-19 ausgesetzt. Manche Anwälte reiben sich die Hände und hoffen auf Nebenwirkungen.

Der Köhlerglaube bekämpft die Wissenschaft. Wer etwas Gutes für die Menschheit tun will, der lasse sich impfen. Je früher, je besser.

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