09. Februar 2021
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Matthias Rüb

Wenn der Beppe mit dem Mario: In Italien unterstützt Fünf-Sterne-Rebell Grillo den Ex-Banker Draghi. Das ist keine Überraschung

Am Wochenende hat Italien ein politisches Erdbeben erlebt, tönt es aus den Medien.

Beppe Grillo, Gründer und Übervater der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung, hat in Rom den früheren Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi getroffen. Draghi soll Italien nicht nur aus der gegenwärtigen Regierungskrise führen, sondern auch aus dem wirtschaftlichen Jammertal der vergangenen zwei Jahrzehnte.

Grillo versicherte Draghi dabei der Unterstützung der Fünf Sterne, die in beiden Kammern des Parlaments die grössten Fraktionen stellen.

Viele der überwiegend jungen Wähler der Protestbewegung waren schockiert: War Draghi von den Leuten um Grillo nicht über die Jahre als «Knecht der Hochfinanz» gebrandmarkt, zum Feindbild im politisch-wirtschaftlichen Establishments schlechthin auserkoren worden?

In Wahrheit sind Beppe und Mario, Jahrgang 1948 beziehungsweise 1947, aus dem gleichen Holz geschnitzt. Grillo verdankt seinen Aufstieg zum nationalen Fernsehkomiker dem steuerfinanzierten Staatssender Rai. Längst gehört er zu feinen Genueser Gesellschaft und nennt einen Strauss schöner Liegenschaften sein eigen, Luxusvillen an der ligurischen Küste und der Toskana eingeschlossen.

Draghi stieg in den nationalen und später den europäischen Finanzverwaltungen auf, zwischendurch war er Investmentbanker bei Goldman Sachs. Mit Grillo teilt er die Leidenschaft für luxuriöse Anwesen, die seinen sind in Umbrien und in Rom, an den Küsten von Latium und Venetien.

Einer Abstimmung, weder in einer Partei noch bei einer Volkswahl, mussten sie sich noch nie stellen: Sie gelangten durch Talent, Ehrgeiz und Durchsetzungsfähigkeit auf jene Führungspositionen, für welche gemacht zu sein sie überzeugt sind.

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1 Kommentar zu “Wenn der Beppe mit dem Mario: In Italien unterstützt Fünf-Sterne-Rebell Grillo den Ex-Banker Draghi. Das ist keine Überraschung”

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