19. Januar 2021
Christoph Mörgeli

Wie die Impfaktion des Bundesrats zum Image-Desaster geriet

Alles schien so raffiniert eingefädelt: Der Gesamtbundesrat sollte sich aus kantonalbernischen Beständen medienwirksam eine Covid-Impfung spritzen lassen. Doch der Gesamtbundesrat wollte nicht.

Ausgerechnet der siebzigjährige Finanzminister Ueli Maurer hatte dazu keine Lust. Noch wahrscheinlicher: Er spürte instinktiv, dass die Bevölkerung angesichts des zu knappen Impfstoffs zwar gerne eine Unterteilung in ältere Risikogruppe und jüngere Nicht-Risikogruppe in Kauf nimmt. Aber keine Unterteilung in prominente Bevorzugte und gewöhnlich sterbliche Diskriminierte.

Der öffentlich geplante Impf-Coup des Bundesrats geriet vollends zum Desaster, als die vier geimpften Bundesräte ihren Spritztermin vom Freitag dann plötzlich zum Staatsgeheimnis machten. Doch ist nichts so fein gesponnen – die Tamedia-Medien bringen es trotzdem an den Tag. Inklusive geharnischte Kommentare darüber, dass sich Bundesräte für unersetzbarer halten als gewöhnliche Zeitgenossen. Und sich keinesfalls ins Home-Office verbannen lassen wollen, wie es gegenwärtig so viele Nicht-Bundesräte erleben müssen.

Nachdem die geheime Impfoperation im Bundeshaus aufgeflogen war, erfanden die geimpften Bundesräte – allen voran Bundesrat Alain Berset – eine neue Begründung: Sie müssten sich schützen, weil sie so viele Kontakte zum Gesundheitspersonal hätten.

Während jetzt also der 48-jährige Berset geimpft durch die Lande zieht, muss er Millionen von unter 75-jährige Impfwillige vertrösten. Irgendwann werden auch sie an der Reihe sein.

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9 Kommentare zu “Wie die Impfaktion des Bundesrats zum Image-Desaster geriet”

  • Christian Weber sagt:

    Im Bundesrat spiegelt sich doch die grosse Mehrheit der Bevölkerung. Bei einer Volkswahl würden die meisten mit einem Glanzresultat wieder gewählt.

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  • Moning Hans-Joerg sagt:

    Viele glauben die Schweiz sei eine Bananenrepublik, ich denke,
    die Schweiz ist einfach nur sehr naiv und wird von Amateuren verwaltet die an massiver Selbstüberschätzung leiden ohne sich dessen bewusst zu sein. Dazu ist die linke Elite ganz offensichtlich dem pseudo-Intellekt verfallen und glaubt ein allumfassendes Wissen zu besitzen weil sie ein paar Jahre die Uni besuchten. Tragisch

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  • flyingpatrik sagt:

    Die letzten 12 Monate zeigen es klar und deutlich: Der gesamte Bundesrat ist nicht in der Lage dieses Land zu regieren. Mittlerweile sind alle 7 Zwerge in Bern unglaubwürdig in Ihren Aussagen und Entscheiden. Man kämpft hier mit falschen Mitteln und macht falsche Propaganda! Wir frommen und gutgläubigen Schweizer machen da treu mit... Es ist was faul im Lande Helvetien...

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  • sandy_sixty sagt:

    Abgesehen von dieser „geheimen Impfaktion“ weiss man ja nicht, ob wirklich die mRNA-Impfung gespritzt wurde oder vielleicht Kochsalzlösung.
    Ich glaube dieser Regierung , dem BAG und der gesamten Politik nichts mehr.
    Vertrauen ade...

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  • Reto Scherraus-Fenkart sagt:

    man kann mit seiner Regierung einig gehen oder eben nicht, man kann sie lieben, hassen oder ihr gleichgültig gegenüberstehen, aber eines muss man sich vor Augen halten: Es ist völlig richtig, dass der Bundesrat sofort geimpft wurde, denn KEIN LAND kann es sich und noch weniger sollte sich leisten, im schlimmsten Fall führungslos zu werden

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    • Realistin sagt:

      Erstens: nennen Sie das Führung, was der Bundesrat seit einem Jahr veranstaltet?
      Zweitens: auf eine solche "Führung" können wir bestens verzichten. Am besten übrnehmen die Bürger über die Kantone und Gemeinden wieder die Verantwortung in diesem Land, das kommt erfahrungsgemäss viel besser heraus.
      Drittens: Schweizer, die aus Familien kommen, die schon ein paar Jahrhunderte hier wohnen, brauchen keine Führer.

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    • waschiwischi sagt:

      Schade kann diese Regierung nicht einmal das Parlament absetzen. Sonst wäre ich dafür, umgehend und ohne langes Hin und Her, eine Interimsregierung einzusetzen.

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  • Huelftenschanz sagt:

    Wer hat das Zepter übernommen? Die SP! Die haben in den letzten 20 Hahren mit ihrer Umverteilpolitik nicht so vielt wie im 2020! Ich nenne das eine n bundesrätlichen links Putsch!

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  • Huelftenschanz sagt:

    Das passt genau in das ganze Desaster. Am 23. Sept. 2013 haben 60% das teilweise ungenaue Pandemie Gesetz angenommen. Was hat die Verwaltung an Vorbereitungen in den letzten 7 Jahren getroffen? Im Herbst 2019 hatte man die letzten 10‘000 t Ethanol vernichtet, keine Masken eingekauft und nicht ein mögliches Szenario mit der Verwaltung geübt. Unvorbereitet und ohne Mut (Angst vor der EU die Grenzen zu Italien zu schliessen!) ist man in diese Pandemie gestolpert.

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