14. Dezember 2020
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Beat Gygi

Wie die Tagesschau mit Statistik Corona-Stimmung macht 

Das Schweizer Fernsehen hat am Freitag in der Hauptausgabe der «Tagesschau» mit einseitiger Berichterstattung Stimmung für schärfere Schliessungen gemacht. Im Zusammenhang mit den Corona-Massnahmen tritt der Wissenschaftsexperte von Radio SRF mahnend auf, sagt, dass man noch entschlossener handeln und einschränken müsse, als der Bundesrat es vorsehe, um die Fallzahlen unter Kontrolle zu bringen.

Mit Blick auf Fallzahlen und Todesfällen sagt dann der Sprecher: «Damit bleibt die sogenannte Übersterblichkeit hoch», unterstützt von einem Animationsvideo, das schematisch das Sterben einer Person im Spital veranschaulicht, die dann Teil der Todesfallstatistik wird – und diese Grafik zeigt dramatisch, wie die Kurve der wöchentlichen Todesfälle 2020 zwei Mal scharf, matterhornmässig über die Bandbreite des langjährigen Normalwerte hinausschiesst: einmal im März/April und jüngst im November/Dezember.

Die Grafik stammt vom Bundesamt für Statistik und ist so gesehen solid. Aber gezeigt wird nur die eine Hälfte. Die «Tagesschau» rückt nur die optisch eindrückliche Kurve für die Altersgruppe ab 65 Jahren im Bild. Irgendwann kommt die Bemerkung, dass überdurchschnittlich viele ältere Menschen sterben. Würde man jedoch die ganze Grafik des Bundesamtes präsentieren, wäre auch zu sehen und wäre zu erklären, dass die Sterblichkeit im Alter bis 64 Jahre das ganze Jahr über in der normalen Bandbreite langjähriger Erfahrungswerte liegt. Das sind 81 Prozent der Bevölkerung, die da ausgeblendet werden, von den Corona-Massnahmen aber betroffen sind.

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