12. Januar 2021
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Thomas Renggli

Wie ein schlecht ausgeflaggter Slalomlauf: Lauberhorn-Rennen nun doch abgesagt

Das Verwirrspiel um die Lauberhorn-Rennen hat am Montag einen neuen Höhepunkt erreicht. Nachdem am Sonntag das Berner Gesundheitsdepartement grünes Licht gegeben hatte und auch die Taskforce des internationalen Skiverbandes (FIS) auf diesen Kurs eingeschwenkt war, haben die Verantwortlichen am Montag die Notbremse gezogen und Wengen zur Sperrzone erklärt.

Die anreisenden Fahrer, Funktionäre und Journalisten sind in Lauterbrunnen gestoppt worden. Der Schweizer Verband, der mit starken sportlichen Leistungen zuletzt überzeugt hatte, sah sich ausgerechnet vom Lieblingsgegner aus Österreich überrumpelt. Es war der österreichische Ski-Verband, der bereits am Montagmorgen die Meldung der Absage verbreitet hat.

Der Entscheid entspricht dem gesunden Menschenverstand. Spätestens seit das Berner Gesundheitsdepartement zur Sicherung des Rennens das gesamte Skigebiet Wengen – Kleine Scheidegg – Lauberhorn für Private schliessen wollte, der lokalen Bevölkerung vorsorglichen Hausarrest androhte und sogar die Einstellung des Schulbetriebs ankündigte, wäre ein Profisport-Anlass kaum zu rechtfertigen gewesen. Oder wie hätte sich wohl Beat Feuz gefühlt, wenn er einsam auf dem Siegerpodest gestanden wäre – und ihm die Fans nur aus den Fenstern hätten zuwinken dürfen?

So oder so: Der Kampf gegen das Coronavirus (und die damit verbundene Kommunikation) erinnert in der Schweiz weniger an eine Abfahrt als an einen schlecht ausgeflaggten Slalomlauf.

Aber vielleicht war im Fall der Lauberhorn-Rennen ja alles ganz anders. Vielleicht besteht die FIS-Taskforce nicht aus Virologen sondern aus Meteorologen. Die Wetteraussichten fürs Wochenende sind miserabel. Und was Corona kann, können Frau Holle und der Guggi-Föhn schon lange.

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