03. Februar 2021
Christoph Mörgeli

Wie in Ausserrhoden eine Minderheit das Frauenstimmrecht einführte – und die Landsgemeinde beerdigte

Wir lesen dieser Tage, die widerborstigen Appenzell-Innerrhödler hätten noch an der Landsgemeinde 1990 das Frauenstimmrecht abgelehnt. Erst ein Bundesgerichtsurteil habe die trotzigen Mannen zur Vernunft gebracht. Demgegenüber hätten die Ausserrhödler die Zeichen der Zeit schon 1989 erkannt und in einer «Zitterpartie» mit «knappem Mehr» für das Frauenstimmrecht votiert.

Der Schreibende geht jede Wette ein, dass diese Erzählung nicht stimmt. Denn er war am 30. April 1989 in Hundwil Augenzeuge der historischen Abstimmung. Als Zaungast zwar ausgesperrt vom Ring, dafür an überhöhter Stelle mit einem hervorragenden Überblick über die Stimmenden. Gewissermassen auf einem Tribünenstehplatz, den ich mit vielen Heimweh-Appenzellern teilte.

Mit ihrer einhelligen Meinung teilte ich auch folgende Beobachtung: Landammann Hans Ueli Hohl (FDP) liess beim Traktandum Frauenstimmrecht abstimmen. Eine ganz offenkundige Mehrheit erhob die Hand gegen das Frauenstimmrecht. Dennoch rief Hohl nach einer Kurzberatung mit seinen Regierungskollegen den Stimmbürgern zu, sie hätten der Vorlage zugestimmt. Mit diesem Trick überlistete die Classe politique die Demokratie.

Damit war die Landsgemeinde zur Farce verkommen. Und wurde von den übertölpelten Ausserrhödlern prompt beerdigt.

1 Kommentar zu “Wie in Ausserrhoden eine Minderheit das Frauenstimmrecht einführte – und die Landsgemeinde beerdigte”

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