12. Februar 2021
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Hubert Mooser
Hubis Bundeshaus

Wir impfen im Zeitlupentempo – auch weil das Bundesamt für Gesundheit Russlands Impfstoff nicht will

Die Russen überraschten letzten Sommer die ganze Welt, als sie die Zulassung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus meldeten. Die Meldung löste im Westen Überraschung, Skepsis und Misstrauen aus. Viele zweifelten die garantierte hohe Wirksamkeit an. Und was tat die Schweiz?

Sie liess Russlands Botschafter Sergei Garmonin mit einem Angebot für den Impfstoff Sputnik V zweimal auflaufen, wie jetzt 20 Minuten berichtet. Garmonin habe mit der Schweiz am 17. August und am 22. Dezember 2020 signalisiert, dass man Sputnik V zur Verfügung stelle könne – und erhielt darauf nie eine Antwort. Was für ein Affront.

Wären die Russen beim Wiener Kongress 1814 mit der gleichen Voreingenommenheit und Arroganz gegenüber den Eidgenossen aufgetreten, gäbe es die heutige Schweiz nicht. Gottseidank zeigte sich der frühere Schweizer Botschafter in Moskau, Yves Rossier, aufgeschlossener. Er liess sich allen westlichen Unkenrufen zum Trotz früh mit Sputnik V impfen, das Botschaftspersonal ebenfalls.

Wäre es nicht oberste Pflicht des Schweizer Gesundheitsministers Alain Berset gewesen, auf dieses Angebot zu prüfen? Sollte man nicht jede Möglichkeit in Betracht ziehen, die eine Chance bietet, aus einer Krise herauszukommen?

Monatelang behauptet das Bundesamt für Gesundheit (BAG), man sei bei der Impfstoff-Beschaffung gut und breit aufgestellt. Tatsächlich haben uns Berset und das BAG mit ihrer Einkaufspolitik in die Geiselhaft von drei Impfstoff-Anbietern gebracht. Weil diese die bestellten und bezahlten Dosen bisher nicht lieferten, können die Kantone ihre Bevölkerung nur im Zeitlupentempo gegen Covid-19 impfen.

Erst als Kritik aufkam, organisierte das BAG auch bei anderen Impfstoff-Hersteller Seren, viel zu spät.

Sputnik V steht aber immer noch nicht auf der Einkaufsliste des BAG – obwohl dem russischen Impfstoff Sputnik V eine Wirksamkeit von 91, 6 Prozent zugesprochen wird.

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3 Kommentare zu “Wir impfen im Zeitlupentempo – auch weil das Bundesamt für Gesundheit Russlands Impfstoff nicht will”

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